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Roof Garden: Strandfeeling in der Großstadt?

«Morgen Abend wird das Wetter gut – wollen wir nicht ins Roof Garden? Außerdem sind da ein paar DJs!» blinkt mein WhatsApp an einem Mittwochnachmittag auf. «Klar, warum nicht!?» antworte ich. Ob das wohl überlegt ist?

Donnerstag, 18:10 Uhr: Der Berufsverkehr sorgt für die obligatorische Verspätung von 10 Minuten. Die erste Fehlentscheidung an jenem Abend war, mein Auto im Parkhaus der Ernst-August-Galerie abzustellen. Ganz besonders, weil sich das Roof Garden direkt über dem Parkhaus Mehlstraße befindet. Doch dazu später mehr. Wir betreten das mit Sand beschüttete Parkdeck im 6. Stock und werden sofort von drei Türstehern gebremst.
«7 Euro, bitte!»
Meine Freundinnen und ich tauschen verwirrte Blicke aus.
«Na gut, weil ihr es seid: 5 Euro pro Person!»
Das war einfach.

Wir kommen rein, obwohl wir keine Lackschuhe tragen.Wenn man sich so umguckt, bekommt man nämlich den Eindruck, dass die hier ein schicker Dresscode gilt. Drinnen sammeln wir uns drei Stühle zusammen und positionieren sie in der Abendsonne.

18:30 Uhr: Mich plagt der Hunger, mein Mittagessen ist schon längst verdaut. Das Roof Garden ist eine Cocktailbar, was man auch schnell an der großen Saft-, Sirup- und Spirituosen-Auswahl erkennt. Klar, dass ich hier kein Fünf-Gänge-Menü erwarten kann. Doch dass ein einfacher Salat meine zweite Fehlentscheidung an dem Tag wird, ahne ich zu dem Zeitpunkt des Abendbrot-Hungers noch nicht.
«Hi, ich hätte gern den gemischten Salat. Der ist doch vegetarisch, ne?»
«Gemischten Salat haben wir nicht. Nur Salat Mista», entgegnet die Kellnerin.
«Ähh, ja okay, dann halt den», antworte ich und verteidige sie gedanklich vor mir selbst. Italienisch kann halt nicht jeder. Sie drückt mir einen Buzzer in die Hand.

18:40 Uhr: Kaum habe ich es mir in der Abendsonne gemütlich gemacht, vibriert das Plastikquadrat.
«Das ging schnell!», merkt meine Freundin überrascht an.
Erfreut düse ich zur Essensausgabe. Leider wandelt sich meine Euphorie schnell in Enttäuschung um.

Von einem großen Teller guckt mich ein Arrangement von Eisbergsalat, fünf angetrockneten Tomatenscheiben, sechs ebenso schrumpeligen Gurkenscheiben, drei Paprikastreifen und geraspeltem Käse aus der Tüte an.

Gar kein Brot?, denke ich und kehre skeptisch an meinen Platz zurück. Mein Hunger vergeht schnell – leider jedoch nicht, weil der Salat so sättigend ist. Seit Jahren verwende ich kein gekauftes Salatdressing mehr, da ich zugesetzten Zucker und alle möglichen E-Stoffe vermeiden möchte. Nun erklärt sich auch, warum die Kellnerin die von mir gewünschte Vinaigrette verweigerte. Mein verwöhnter Gaumen flüstert mir: Das schmeckt ja wie ein Fertigdressing.

19 Uhr: Vom Hunger gequält leere ich meinen Teller, im Hintergrund dudeln elektronische Klänge. Die Sonne bereitet sich auf den Untergang vor. Die Kellnerin sammelt meinen Teller ein, ich hoffe auf ein «Hat’s geschmeckt?», doch da das Personal im Roof Garden ziemlich gut Blicke lesen kann, schnappt sie sich schnell das dreckige Geschirr und sucht das Weite. Ich nippe an meinem erfrischendem Ipanema und widme mich meinen Mädels. Die kommen seit meinem Vollzeitjob viel zu kurz.

20:15 Uhr: Plötzlich muss ich an meinen Corsa denken. Mist! Wie lang hat eigentlich das Parkhaus geöffnet? Google verrät es mir: bis 20:30 Uhr. Panisch greife ich meine sieben Sachen, meine Freundinnen sehen nur noch meine Rücklichter.
«Bin gleich wieder da!»

20:26 Uhr: Nachdem ich panisch durch die Ernst-August-Galerie irre, stehe ich endlich vor dem Parkautomat. Gedanklich sehe ich mich schon um 20:31 Uhr vor der geschlossenen Schranke stehen. Doch alles geht gut, in letzter Sekunde schaffen mein Auto und ich es in die Freiheit. Ich habe aus meinem Fehler gelernt und parke nun direkt vor dem Roof Garden zwischen komischen Proll-Karren.

20:40 Uhr: Atemlos schlüpfe ich wieder zu meinen Mädels. Haben die überhaupt bemerkt, dass ich weg war? Die Sonne hat sich mittlerweile verabschiedet, die Freundschaft bleibt. Gute Gespräche mit wichtigen Menschen sind eben unbezahlbar – da kann man auch mal über ein Fertigdressing hinweg sehen.

Roof Garden – Skybar
Mehlstraße 2
30159 Hannover

Kategorie: Bars

von

Hannover ist Alexas Wahlheimat - und sie will hier auch gar nicht mehr weg. Sie ist immer auf der Suche nach charmanten Geheimtipps, inhabergeführten Läden und vegetarischen Köstlichkeiten.

4 Kommentare

  1. oliver sagt

    was hat denn die küche zu diesem „salat“ gesagt? -die hätten vllt mal befragt werden sollen. ich denke, dass der job allein mit dem feststellen eines mankos nicht getan ist. die chance zum besser werden kann mit gutem gewissen gewährt werden… und das geht sogar, ohne ein „ich blogge die metropole jetzt mal gastronomisch“ gehabe zu entwickeln.

    denn: der mensch der diesen gemischten mista salat hergestellt hat weiss uu gar nicht, dass er das eigentlich nicht kann und geht -mangels feedback- sehr zu recht davon aus, die besten dressings der welt auf seinen schmonzes zu kippen.

    kleinigkeit noch: lt den einstellbedingungen der ece kann man aus dem galerieparkhaus bis 21 uhr ausfahren

    • Hallo Oliver,
      schade, dass du siehst. Ich finde nicht, dass ich einen „Job“ zu tun habe, oder in irgendeiner Weise verpflichtet bin, das Personal über die Qualität der Speisen aufzuklären. Ich bin weder vom Verbraucherschutz noch Rach der Restauranttester. Ehrlich gesagt: Wenn die ihren Salat mal selber probieren würden, würden sie ganz schnell merken, dass man den nicht anbieten kann. Und das „Gehabe“ von dem du sprichst, ist meiner Ansicht nach Meinungsfreiheit. Ich habe gesagt, wie mir der Salat geschmeckt hat und andere können sich ihr eigenes Urteil bilden.
      Danke für den Tipp mit dem Parkhaus. Leider habe ich diese Info auf der Webseite nicht gefunden. Aber nächstes Mal bin ich schlauer. 😉

  2. oliver sagt

    natürlich bist du zu nichts verpflichtet und meine zeilen haben nichts mit rach & co zu tun oder stecken dich gar in diese ecke; doch ich (für mich) denke, dass wenn etwas offensichtlich die chance hat besser sein zu können, du, wo du hier doch eine kleine und wenig schöne lanze für den laden brichst, hier ebenso einen fingerzeig geben kannst/könntest. die location scheint ja ganz schön zu sein – warum also könnte das speisenangebot dem nicht entspechen bzw. soll es die möglichkeit nicht dazu bekommen.

    wie gesagt, evtl weiss der chef da gar nicht, welche möglichkeiten ihm entgehen. die wenigsten gäste beklagen sich, sondern futtern quasi von der not getrieben das zeug in sich hinein. teller leer = gast zufrieden! der gedankengang ist nicht von der hand zu weisen.

    das gehabe, bezieht sich nun nicht direkt auf dich persönlich sondern unterstreicht viel eher, dass gerne geurteilt wird und der beurteilte keine chance bekommt an deinen mühen und deinem votum zu wachsen. das ist in der tat gehabe und man könnte es schon anmassend nennen das ganze unter dem mantel der meinungsfreiheit zu bedecken. das macht es sehr leicht und entbindet dabei nur vordergründig von differenziertem denken und (oh je) auch verhalten. denn mit deinem blog übst du -wenn auch nur im kleinen- durchaus macht aus. Und der onkel eines berühmten krabbelnden helden aus der nachbarschaft wusste einst zu unterweisen, dass mit „macht auch verantwortung“ einhergeht.

    ich (erneut ich für mich) bin der ansicht, dass wenn ich mit meinem tun und handeln in die existenz anderer eingreife -das tust du mit deiner kleinen kritik- das dann so professionell und fair wie möglich tun soll. das mögen andere nach dem motto „was solls schon, was hab ich damit zu tun, ist das denn mein auftrag?“ anders sehen, doch dieses denken ist imho schon sehr armseelig.

    und zum thema macht noch ein kleiner nachsatz: andere gäste, werden sich nach deinen schilderungen den salat ersparen und sich keineswegs ein eigenes urteil bilden (wollen). du hast so deine macht ausgeübt.

    sonnige grüße aus münchen!

    • Hi,
      ich gebe dir schon Recht, dass ich natürlich hätte etwas sagen können. Aber nur weil ich hier blogge, heißt das nicht, dass ich mich dazu verpflichtet sehen muss. Vielleicht fällt es auch schon ein Stück unter Resignation, wenn ich im Moment des Salates bereits für mich entschieden habe, den Laden nicht mehr zu betreten. Nun sagst du wahrscheinlich, dass ich aus Fairness den Ladenbesitzern und anderen Gästen gegenüber etwas hätte sagen können. Ja, hätte. Beim nächsten schlechten Salat werde ich mich an deine weisen Worte erinnern und – wenn mir danach ist – meine Meinung vor Ort kundtun. Eben wenn mir danach ist, und nicht, weil ich mich dazu verpflichtet fühle (nur, weil ich Blogger bin). Jeder sollte das für sich selbst entscheiden.

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