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La Cantina: Probier’s mal mit Gemütlichkeit

Wir lieben die spanische Küche – und Tapas lieben wir besonders. Also verschlug es uns ins La Cantina in der Oststadt. Der Slogan des «Tapas-Paradies» macht reizvolle Versprechen: «lecker, spanisch, günstig».

Wir sitzen kaum, als Maria neben unserem Tisch steht. Vielleicht heißt Maria ganz anders, aber ich will sie nicht die Kellnerin oder Kellnerin #1 nennen. Jedenfalls möchte «Maria» wissen, was wir trinken möchten.
«Sangria», verlangen die einen, «Tinto de verano», wollen die anderen. Dann wird es kompliziert, denn die 5er-Tischrunde ist sich nicht einig, ob das Wasser sprudeln soll oder nicht. Con gas, sin gas? Die Diskussion nimmt ihren Lauf, Vor- und Nachteile werden sorgsam diskutiert: Sprudel blubbert im Bauch, doch Stille lässt die Zunge kalt. Und Maria steht geduldig daneben und denkt: Diese Deutschen und ihre Diskussionen. Oder sie denkt ans Wetter, da draußen regnet es, wie den ganzen Tag schon. Maria seufzt. Sie trägt Turnschuhe und roten Lippenstift, ansonsten viel schwarz. Ihre Haare hat sie zu zwei Zöpfen geflochten und sie um den Kopf gewickelt.
«Also, wir nehmen eine Flasche stilles Wasser und eine mit Sprudel», lautet das salomonische Urteil schließlich.
«Super», sagt Maria und tänzelt davon.

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Mehr als 40 Tapas stehen auf der Speisekarte im La Cantina.
Mehr als 40 Tapas stehen auf der Speisekarte im La Cantina.

Schriftliche Bestellung

Auf dem Tisch, der uns mit seiner orangefarbenen Oberfläche geradezu anschreit, liegen schon Stift und Papier bereit. Wir nehmen die kleinen Speisekarten zur Hand, meine hat schon viel erlebt und eine heraushängende Seite bereitet ihre Flucht vor.
Schnell haben wir die Grundversorgung zusammen: Patatas Fritas, also «spanische Pommes», und meersalzige Pimientos de Padrón, also gebratene Paprika – und noch ein paar weitere Köstlichkeiten.Ungefähr 45 Speisen stehen als Tapas auf der Karte, dazu kommen noch verschiedene Dips, Brot und natürlich Aioli.
Nach wenigen Minuten ist unser Zettel voll. Dann steht Paula an unserem Tisch, die auch nicht so heißt. Sie wirft noch mal einen prüfenden Blick auf den Notizzettel. Meiner Handschrift nach zu urteilen wäre ich Arzt, ein ziemlich guter Unfallchirurg.
«Ist das eine 2?!», fragt Paula.
«Ja?», vermute ich. «In der Grundschule hatte ich eine 1 in Schrift und Form.»
Paula nickt zweifelnd und geht mit dem Zettel weg. Hinten haben sie einen Schriftexperten sitzen.

Dann bringt Magda (Kellnerin #3) etwas Fladenbrot vorbei, dazu gibt’s Knobi-Mayo. Das Brot saugt das Wasser auf, das in unseren Mündern in Sturzbächen zusammenläuft. Die gerösteten Salzmandeln, die es auch noch gab, sind schnell weg.
«Beim Tapasessen darfst du nicht lange zögern, da musst du dir die Highlights schnell auf den Teller schaufeln», sagt Alexa kauend. Sie hat mal eine Weile in Spanien gelebt, musste die ersten Abende hungrig ins Bett.

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Am Nebentisch tobt ein Kind auf seinem Stuhl herum, während die Eltern über Verunsicherungen reden und vom letzten Campingurlaub erzählen. Hinter uns sitzen zwei Frauen am Hochtisch und starren schweigend in die Luft. Vor ihnen wird das Bier warm, über ihnen kullert ein Fußball über die bauchige Mattscheibe des Röhrenfernsehers. Die Schwingtüren fächern wild hin und her, aus der kleinen Küche kommen viele kleine Teller und Schalen. Sie werden auf großen Tablets transportiert, kommen in unsere Richtung.

Wo sollen die vielen Speisen eigentlich hinpassen, überlege ich, als ich unseren Tisch betrachte. Es ist eng hier. Wohin mit den Beinen, wohin mit den Armen? Und wohin mit den Gedanken? Aber hier ist es so gemütlich, gerade weil alles so eng ist.
Das bunte Lokal ist außerdem ziemlich authentisch, bestätigt Spanien-Expertin Alexa, die sich die beiden letzten Pimientos aus der Schale zupft. Wir könnten jetzt auch in Andalusien sitzen, es wäre kurz nach neun und die Luft wäre angenehm warm. Aber es regnet immer noch.

Geschmacksurteil

Wir sind angetan: von den knusprigen Patatas, von den eingelegten Antipasti, von den frittierte Kartoffeltaschen – von all dem, was vor uns in den Schalen liegt. Nur den Spinat ignoriere ich, denn Spinat ist doof. Alexa findet ihn lecker.
«Jetzt probier doch mal!», insistiert sie.
«Nein.»

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Zum Nachtisch wähle ich eine Créme Catalana.
«Die ist bei uns aber Eis», sagt Paula.
«Ach, ich weiß eigentlich gar nicht, was Créme Catalana ist», gebe ich zu. «Aber der Name klang so lecker.»
«Wir haben auch Flan», sagt Paula.
«Dann nehme ich Flan!»
Wie schnell mir Leute was andrehen können. Nur nicht Spinat. Der bleibt doof.
Glücklicherweise ist der Flan lecker, er schwimmt in Karamelsauce und rundet das Essen süßlich ab.

· · ·

Lecker, spanisch, günstig? Ja, ja und ja: Wir zahlen gut 84 Euro für 5 Personen – das sind pro Gaumen also … 16,80 Euro, inklusive Wein, Wasser und Espresso/Nachtisch. Wir zahlen mit Karte und bekommen ein paar Gutscheine – für den nächsten Besuch. Fünf Euro werden wir sparen, wenn wir wieder hier sitzen und unsere Zettel ausfüllen. Noch mehr sparen kann man dienstags: Dann kosten alle Tapas von 18 bis 24 Uhr pauschal nur 2,50 Euro. ¡Que aproveche!

La Cantina Tapasbar
Perlstraße 1
30161 Hannover

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