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Interview: «Das große Problem am Ihme-Zentrum ist das Image»

Im Herzen der Stadt steht ein gewaltiges Beton-Ungetüm, dessen Ruf schlechter kaum sein könnte: das Ihme-Zentrum.

Warum das Gebäude so ein schlechtes Image hat – und wie es in Zukunft aussehen könnte – darüber haben wir uns mit Constantin Alexander unterhalten. Er lebt gern im Ihme-Zentrum und bietet Rundgänge an, in denen er Interessierten die Ecken und Kanten der «Stadt in der Stadt» zeigt. Zusammen mit Hendrik Millauer arbeitet Constantin derzeit an einem Dokumentarfilm: Das Ihme-Zentrum – Traum Ruine Zukunft.

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Warum hat das Ihme-Zentrum so einen schlechten Ruf?

Constantin Alexander: Ich denke, viel hängt mit der Ästhetik zusammen. Viele Menschen finden das Ihme-Zentrum schlichtweg hässlich. Dazu kommt die Größe: Es ist mehrere Kilometer lang und ein wahres Monstrum. Diese Dimension ist für viele nicht greifbar, das stößt sie ab.

Warum konnte kein Investor das Ihme-Zentrum bisher wieder aufbauen?

Der letzte große Investor Carlyle hat mit dem Umbau begonnen, ist aber dann pleite gegangen. Den jetzigen Investor kann ich schwer einschätzen. Laut seiner Außendarstellung scheint es, als hätte er Interesse, langfristig an Projekten mitzuwirken. Es ist auf jeden Fall wichtig, mit ihm ins Gespräch zu kommen. Ich denke schon, dass viel Potenzial dahinter steckt. Generell finde ich, dass man niemanden ausschließen darf: weder die Politiker, die Stadt oder die Presse. Am Ende wollen wir alle das Gleiche: dass das Ding funktioniert und einen positiven Effekt auf Hannover hat. Und das geht nur, wenn alle zusammenarbeiten.

«Es ist mehrere Kilometer lang und ein wahres Monstrum.»

«Es ist mehrere Kilometer lang und ein wahres Monstrum.»

Und da wirkst du ja auch ganz aktiv mit. Du hast das Projekt Ihme-Zentrum – Traum Ruine Zukunft ins Leben gerufen. Wie kam dir die Idee und was genau steckt hinter dem Projekt?

Vor anderthalb Jahren habe ich mit einer Umweltanalyse begonnen und zudem habe ich lange als Journalist gearbeitet. Da liegt es nahe, dass es mir wichtig ist, die Kommunikation eines solchen Projektes zu übernehmen. Das große Problem am Ihme-Zentrum ist das Image. Doch das kann man relativ leicht korrigieren. Das Tolle an unserer Generation ist die Zuversicht. Wir denken nicht «Ach du Scheiße!» sondern «Geil, was man hier alles draus machen kann!». Städte wie Leipzig und Berlin leben von solchen verrückten Leuten, die in einen verlassenen Bunker einen Club bauen. Und der wird dann ein voller Erfolg.

Meine Gedanken über das Ihme-Zentrum habe ich damals auf einem Blog geteilt und Architekten, Künstler oder Ingenieure nach ihren Ideen gefragt. Da kamen wahnsinnig tolle Sachen raus!

Mein ehemaliger Kollege vom NDR, Hendrik Millauer, kam mit der Idee eines Filmprojektes auf mich zu. Und nun arbeiten wir zu zweit an einer Filmdokumentation, die 30–45 Minuten lang sein wird. Wir stecken gerade in den letzten Zügen der Produktion, und hoffen, durch das Crowdfunding genügend Geld zusammen zu bekommen, um noch wertvolleres Filmmaterial zu erhalten. Wir möchten das Geld für Drohnenaufnahmen und Visualisierungen nutzen. Die Drohnen zeigen das Ihme-Zentrum von oben, die Visualisierungen sollen realistische 3D-Entwürfe sein, die das Ihme-Zentrum der Zukunft zeigen. Das Crowdfunding soll auch den Soundtrack bezahlen, für den wir lokale Bands gewinnen möchten. Dazu werden wir noch einen Aufruf starten.

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Das ist wirklich ein spannendes Projekt! Wie funktioniert euer Crowdfunding und wie kann man euch unterstützen?

Wir haben bei Startnext eine Crowdfunding-Kampagne gestartet. Dort kann man einen bestimmten Betrag spenden und erhält dafür ein Dankeschön, das man sich aussuchen kann. Wir haben Postkarten und Jutebeutel, aber auch exklusive Rundgänge, eine Wohnzimmerlesung mit Ninia LaGrande oder eine Einladung zum Filmfestival Utopianale.

Sag uns doch abschließend noch, warum das Ihme-Zentrum wieder aufleben soll.

Es ist leicht zu sagen, «das Ihme-Zentrum geht mich nichts an». Doch mir ist der Symbolcharakter wichtig. Das Ihme-Zentrum wurde vernachlässigt und ist kaputt gegangen. Die Entscheidung, alles so zu lassen, ist meiner Meinung nach zynisch.

Ich hoffe, ich konnte verdeutlichen, dass der Wiederaufbau für eine bessere Zukunft für ganz Hannover wichtig ist. Deshalb heißt das Projekt «Traum Ruine Zukunft».

Vielen Dank für die Antworten, lieber Constantin!

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Hannover ist Alexas Wahlheimat - und sie will hier auch gar nicht mehr weg. Sie ist immer auf der Suche nach charmanten Geheimtipps, inhabergeführten Läden und vegetarischen Köstlichkeiten.

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