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Joggen in Hannover: Läuft bei uns!

Läufern bietet Hannover als «Stadt im Grünen» viele Möglichkeiten, sich die Beine zu vertreten. Und wo keine Autos fahren, macht das Laufen richtig Spaß. Meine Lieblingsstrecken führen aber auch über Betonwiesen, über Asphalt – und vorbei an gefährlichen Bestien.

Eilenriede

Die Sonnenstrahlen fallen durch das Blattwerk, das im Wind raschelt. Und es duftet nach frischem Holz und nach feuchter Erde.
Der Stadtwald ist wohl der Klassiker unter den hannöverschen Laufstrecken. Hier laufen sie alle: Menschen mit ihren Hunden, Opas mit ihren Falten und ich mit vielen anderen. Ich liebe es, die schmalen Waldwege zu nehmen, die sich zwischen den Bäumen hindurchschlängeln. Und dann liegt da ein umgefallener Baum im Weg, mit einem struppigen Eichhörnchen drauf.

Offenbar sind in der Eilenriede diverse Laufstrecken ausgeschildert und markiert, darunter eine Halbmarathon-Strecke und eine kleinere Runde, die nur fünf Kilometer lang ist. Ich muss zugeben, dass ich diese Runden nie gelaufen bin und nie auf irgendwelche Markierungen geachtet habe. Ich laufe lieber drauflos, verirre mich und renne statt der geplanten acht dann halt vierzehn Kilometer.

Gruselig ist’s, wenn komische Gestalten mit ihren Höllenhunden durch die Dunkelheit des Waldes streifen.

Gefährlich und gruselig ist’s dann allerdings im Winter, wenn komische Gestalten mit ihren Höllenhunden durch die Dunkelheit des Waldes streifen. Und es ist Neumond, stockfinster. Einzig das Licht meiner Stirnlampe schneidet in die Dunkelheit – und bringt in der Ferne Augen zum glühen. Sie gehören schwarzen Kreaturen, die mich anstarren. Die Besitzer dieser Bestien sind nirgends zu sehen, sie lassen ihre Monster unangeleint wildern. Tollende Tölen, die mich zerfleischen wollen. Der will nur töten!

Einmal sprang mich eine Bestie an, ich spürte, wie sich die Pfoten in meinen Rücken krallten. Glücklicherweise trug der Hund einen Maulkorb – sonst hätte er mir wohl ein Stück Pobacke abgebissen.

Immer der Sonne entgegen: auf dem Weg in die Eilenriede.

Maschsee

Der Maschsee ist die Alster von Hannover und für so manche Läuferinnen ein Sehen und Gesehenwerden. Sie joggen nicht, sie paradieren. Mit Make-Up und Outfit, mit Frisur und kreisch-pinken Schuhen an den fischpedikürten Füßen. Sie brauchen unsere Blicke wie die Mücken das Blut. Und ich habe das T-Shirt von vorgestern an, die ersten Schweißflecken verleihen ihm ein dezentes Tarnmuster. Meine Schuhe sind voller Schlamm und Blut und Pfützenwasser.

Clean Eating: Sogleich dachte ich an den Burger in meinem Bauch, den Schmetterlinge zerkleinerten.

Andere meinen es mit dem gesunden Leben sehr ernst. Als ich neulich meine Runde (6 Km) um das künstlich angelegte Gewässer drehte, kamen mir zwei dürre Frauen entgegen, die gleichmäßig liefen und schwitzten, weil es sehr warm war. Sie rochen sehr angenehm, als sie in einem Windzug an mir vorbeirauschten. Ich hörte die eine sagen: «Total wichtig … Clean Eating … zuckerfrei … vegan … ich fühl mich toll.»
Sogleich musste ich an den Burger denken, der in meinem Bauch lag, und nur langsam von den kleinen Schmetterlingen zerkleinert wurde.

Es gibt dann noch die sehr schnellen Läufer, die wie auf der Flucht um den Maschsee sausen. Die ziehen an mir vorbei und ich bin eine Weile hinter ihnen, laufe im Windschatten und mitten in einer stinkenden Schweißwolke, die mich ausweichen lässt – so schlimm ist dieser süße Geruch der Sportlichkeit und Strebsamkeit.

Innenstadt

Im Winter will ich nicht immer durch den dunklen Wald rennen (→ Höllenhunde). Stattdessen laufe ich quer durch die Innenstadt, denn da ist Licht, da ist ein bisschen Wärme zwischen den Häuserfronten. Ich laufe die Treppen der U-Bahn-Stationen runter und wieder rauf, am Kröpcke vorbei, an Schaufenstern und Menschen mit ihren Plastiktüten. Regelmäßig schreien mich diese Fremden an, rufen so originelle Sachen wie: «Joooooogger!»
Das ist aber immer noch besser, als im Fitness First auf dem Laufband der Sinnlosigkeit entgegen zu laufen.

Leider ist der Beton und der Asphalt nicht so angenehm weich wie der Waldboden und die Luft duftet auch nicht so gut (Feinstaub!). Aber man lernt die City im Laufschritt ganz gut kennen, entdeckt Abkürzungen und Ecken, die man niemals sehen würde. Auch schön.

Wo seid ihr in Hannover und Umgebung unterwegs? Verratet uns eure Lieblingsstrecken und berichtet von euren Begegnungen mit dunkeln Bestien!

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