Essen & Trinken, Restaurants
Kommentare 4

Kindai: Sushi in der Südstadt

Die Leserinnen und Leser der Lokalzeitung haben die besten Sushi-Restaurants in Hannover gekürt, was uns wiederum inspirierte, nach Feierabend im Kindai in der Marienstraße einzukehren (Platz 7 im Ranking). Ein Hauch von Tokyo in der Südstadt.

Anfahrt. Ich sitze im 121er, vor mir sitzen zwei Frauen, die über Kirchen fachsimpeln. Gemeinsam überlegen sie, wie doch gleich die Kirche heißt, die der Bus zeitnah passieren wird. Sie kommen nicht drauf. Ich weiß die Antwort, will aber nicht helfen. Die Lösung steht außerdem auf dem Bildschirm, der die kommenden Bushaltestellen auflistet. (Die Frauen fahren offenbar nur selten Bus.)
Eine dritte Frau, die sorgfältig auf ihrem iPhone herumwischt, lächelt plötzlich, und mischt sich in die Überlegungen ein.
«Meinen Sie die St.-Heinrich-Kirche?», trällert sie.
«Ja, genau!», bestätigt die eine Frau begeistert, die andere nickt anerkennend und applaudiert.
«Ich hab mit einem Ohr mitgehört», gesteht die lauschende iPhone-Besitzerin. Sie unterhalten sich nun angeregt über Kirchen. Ich freue mich, als ich aussteigen kann.

Helles Holz, klare Formen: das Kindai in der Südstadt.

Ankunft. Alexa sitzt bereits an einem 4er-Tisch, draußen sei es zu kalt gewesen, erklärt sie. Ihr Anwalt sagt, sie muss sich nicht weiter erklären. Wir haben vorsichtshalber reserviert, das ging online. Die Reservierung war aber nicht nötig: Es gibt noch viele freie Tische, denn es ist Dienstagabend und die Leute bestellen lieber bei Foodora. Deren Fahrerin holte im Laufe des Abends mehrmals Essen ab. Alexas Anwalt bleibt bei uns sitzen, ich finde das unnötig, habe aber Angst vor ihm und lächle, als sei alles gut.

Sushi vom laufenden Band

Die Bedienung nimmt schon mal unsere Getränkewünsche entgegen. Ich entscheide mich für ein «japanisches Bier». Alexa möchte den Coconut Icetea. Das Bier ist ein Kirin Ichiban, das aber in Deutschland gebraut wurde, wie ich der Flasche entnehme. (Ich bin latent enttäuscht, aber es ist schon sinnvoll, dass die Flasche nicht um die halbe Welt reiste, nur damit ich echtes japanisches Bier schlürfen kann.) Alexas Eistee sieht aus wie ein Cocktail und schmeckt auch ein bisschen so, aber das könnte eine geschmackliche Halluzination sein.

Die Tellerfarbe verrät den Preis.

Die Ausstattung des Kindai ist modern, die Möbel sind schlicht und schnörkellos. Das Holz ist hell, es gibt viele, viele Stühle. An der Kaiten-Bar sorgt ein Sushi-Fließband für Nachschub. Hungrige Besucher müssen also gar nicht lange in der Karte stöbern – sie können sogleich zum Laufband schreiten und sich kleine Sushi-Teller schnappen. Die Farbe des Tellers verrät seinen Preis: weiß ist günstig (1,50 Euro), rot ist etwas teurer (2,00 Euro) und gelb ist am teuersten (4,50 Euro). Wir sammeln ein paar vegane Sushi vom Band, mit Gurke und Avocado. Bei der Bedienung bestelle ich noch mehr Gurken-Sushi (Kappa-Maki) und einen scharfen Gurkensalat (der gar nicht so scharf ist). Außerdem: Satay-Chicken-Spieße mit Erdnusssoße. Ich liebe Erdnusssoße!

Die Stäbchen sind leider etwas … einfach.

Geschmacksprobe

Die Frühlingsrollen, die wir auch noch bestellten, schmeckten einen Tick zu sehr nach Teig und Fritteuse. Das Sushi und die Spieße und der Gurkensalat waren sehr lecker. Besonders gut hat uns der Nachtisch geschmeckt, also die Mochi-Bällchen und dieser, äh, andere Kuchen.

«Sie haben keine Ahnung von all dem, ne?», fragt mich Alexas Anwalt plötzlich.
«Ähm.»
«Dabei waren sie doch in Tokyo, stimmt’s?»
«Schon, aber –»
«Und dann wissense nicht, wie ‹dieser andere Kuchen› heißt? Lächerlich!»
«…»
«…»
«Darf ich fragen, wieso Sie hier noch sitzen?», frage ich.
«Sie dürfen fragen.»
«Wieso sitzen Sie hier noch?»
«Sie dürfen aber keine Antwort erwarten.»
«Aha.»
Der Anwalt grinst und stopft sich diesen anderen Kuchen in den Mund. Eigentlich wollte ich den essen. Er schmatzt vergnügt und trinkt von meinem Bier. Dreister Kerl.

Nachtisch!

Am Ende hätten wir 42 Euro zahlen müssen, doch dank Reibach-Gutschein zieht die nette Kellnerin noch gut zehn Euro ab. (Wir Sparfüchse freuen uns.) Werktags ist zwischen 12 Uhr bis 15 Uhr übrigens die «Sushi Happy Hour», dann kosten die Teller vom Band nur die Hälfte.

Kindai Sushi
Marienstraße 52-54
Hannover-Südstadt

4 Kommentare

  1. Anika sagt

    Hallo Daniel, hallo Alex,
    sehr schöner Artikel, habe leider viel zu lange nicht mehr auf eurer Seite gestöbert.
    Habt ihr einen Vergleich zu anderen Sushi Restaurants, zB Ichiban? Kann dem Artikel nicht vollständig entnehmen wie ihr es fandet. Eine klare Empfehlung oder eher durchschnittlich? 😉

    PS: kleiner Hinweis, laut Bild kostet Sushi vom roten Teller 2,00€, im Text sind es 50cent mehr 😉

    Liebe Grüße,
    Anika

    • Hey Anika,

      wir sind noch ziemlich am Anfang, was Sushi-Restaurants in Hannover betrifft – deswegen fehlt uns der Vergleich. Vor Jahren war ich aber mal bei Sushi Gim. In meiner vagen Erinnerung fand ich das sehr gut da.

      Empfehlen würden wir das Kindai schon; allerdings haben wir nur die vegetarischen Sushi-Variationen probiert. Deshalb war ich im Text etwas zurückhaltend. (Die meisten Leute dürften ja wegen des Fischs hingehen, nehme ich an.)

      Lieben Gruß
      Daniel

      PS: Ups, ich hab den Preis im Text korrigiert. 😀

  2. Stefan sagt

    Also uns hat das Sushi im Tresor umgehauen, wirklich klasse gewesen! Ich muss dazu aber sagen dass ich alles an Gerichten, es gibt ein paar Vorspeisen und drei Hauptgerichte, für überteuert halte -das war nichts so besonderes. Aber das Sushi war echt klasse:)

    • Hey Stefan, die Webseite vom Tresor sieht schon mal sehr lecker aus. Richtig fancy. 😉 Dann müssen wir wohl mal nach Isernhagen reisen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.