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List-Liebe: Oder ist das die Oststadt?

Auf der Suche nach Kaffee und Kuchen entdecken wir einen Schatz: das Bistro Gold am Wedekindplatz. Das reimt sich!

Es ist Freitag und Feierabend, wir sind frei und fröhlich, denn die Sonne brennt und die Luft ist warm, fast heiß. Unterwegs zur Lister Meile – schon wieder, aber es ist ein Ort, an dem schnell vergessen ist, dass eine Pandemie die Welt im Würgegriff hält. Hier ist längst alles wie früher: Menschen sitzen und schwitzen und trinken und winken. Denn da kommt Gaby angelaufen, wie geht’s, wie steht’s,? Küsschen links und rechts, ups – alle angesteckt. Egal.

Ein flauschiger Bichon Frisé tapst vorbei, grinst über beide Öhrchen. Wir sehen den fröhlichsten und glücklichsten Hund der Welt. Rennt fast gegen einen anderen Hund, gegen einen großen Windhund, dürr und edel – der beachtet den kleinen Bichon F. gar nicht weiter. Eingebildeter Kasper, aber den Bichon F. interessiert die Abfuhr nicht, er tapst fröhlich weiter, weil er supergute Laune hat. Absurd gute Laune, eigentlich fast schon ekelhaft.

Wohin wollen wir eigentlich? «Kaffee trinken, Kuchen essen!», trällert Alexa. Wir laufen am Körtingbrunnen vorbei und sehen schon aus der Ferne: Die Tische draußen vor dem List:ich sind alle besetzt. Also weiter, um die Ecke gebogen. Da gibt es recht neu das Bistro Gold (Instagram) am Wedekindplatz. Klein-Paris in der List. Oder ist das schon die Oststadt? «Kann es vielleicht sein, dass die Wedekindstraße die Stadtteile abgrenzt? Dann wären wir hier noch in der List, aber ganz knapp.»
«Die jungen Leute heute wissen aber auch gar nichts mehr», lästert Theodor, der uns seit geraumer Zeit verfolgt. Neben ihm schlurft Elfriede, seine Ehefrau, sie murmelt gelangweilt: «Aha, ja, ja.»
«Es ist doch so, dass die Wedekindstraße tatsächlich die beiden Stadtteile–»
«Theo, ich verlange die Scheidung», grummelt Elfriede, deren aktueller Ehemann bereits ihr vierter ist.

Kuchenpause im Bistro Gold

Wir betreten das schnuckelige Bistro. Die Decke strahlt golden, ebenso die Pendelleuchten. Wir werfen einen Blick in die Kuchenauslage. Bestellen dann, treten wieder raus, nehmen die Masken ab, setzen uns – und atmen aus. Am Nebentisch nehmen Theodor und seine baldige Ex-Frau Platz. Sie besprechen, was sie trinken wollen und warten dann ab. Offenbar haben sie den Hinweis, der auf dem Tisch angebracht ist, überlesen. Dort steht: «Bitte am Tresen bestellen.» Elfriede starrt ins nichts. Sie existiert einfach nur, während Theodor in tiefe Gedanken versunken ist. Plötzlich fällt ihm was ein:
«Andererseits ist die Postleitzahl auf der anderen Seite der Wedekindstraße gleich: Hier wie dort gilt die 30161! Ich bin mir also doch nicht sicher, ob –»
«Ich betrüge dich seit Jahren, Theo, und zwar mit der schönen Martha aus dem Nachbarhaus.»
Theodor hält inne und räuspert seine Stimmbänder weich.
«Die schöne Martha aus dem Nachbarhaus – sie ist auch meine Liebhaberin!»

Ein Hauch Paris in der List.

Das Bistro Gold ist charmant eingerichtet und drinnen wie draußen gemütlich. Die beiden Betreiberinnen Andi und Franzi haben ihr französisch angehauchtes Café vor einigen Monaten erst eröffnet und die Nachfolge vom Tulipano angetreten. Der Kaffee kommt aus Hamburg, geröstet vom Elbgold. Schmeckt man auch: Ich trinke gleich zwei Cappuccinos hintereinander.
«Ähem, korrekt muss es naturalmente Cappuccini heißen», verbessert Theodor ungefragt.
Elfriede steht wortlos auf, ihr reicht es, sie löst sich in Wohlgefallen auf und wird eins mit der herrlichen Sommerluft. Durch das raschelnde Blattwerk funkelt das Sonnenlicht.

List-Liebe ist unser Format für Streifzüge durch die List und die sich anschließende Oststadt. Wir sind offen für Ideen: Schickt uns eure Tipps!

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