Cafés, Essen & Trinken
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Das Ladencafé: Wem gehört der nice Kuchen?

Ein Sonntag in Linden: People-Watching auf der Limmerstraße und ein fantastischer Kuchen im Ladencafé.

Limmerstraße! Sonnige Gesichter, kiffende Omas, und Hunde, die ohne Leine laufen dürfen. Schön hier, immer wieder. Aber, ach: Das Café Bohne ist zu – endgültig! Jemand hat vor dem Schaufenster ein paar Kerzen und Kuscheltiere aufgestellt. Auf zwei Papierblättern steht «Warum?» und «Bohne – Wir vermissen dich!»
Auch die Bäckerei Doppelkorn nebenan ist bedroht, sie sucht einen neuen Raum. Tja, und irgendwann gibt’s hier nur noch Rossmann, Rewe, Zara – all die schrecklichen Geschäfte ohne jeden Charme, die schon die Innenstadt verschandeln.

Im Ladencafé Linden Nord

An der Haltestelle steht Stelldichein-Lisa, sie war vorhin schon auf dem Maschsee segeln und im Café Corner Käsekuchen essen, erzählt sie fröhlich.
«Oooh, ich will jetzt auch Kuchen», nöle ich wie ein verwöhntes Kleinkind, das den ganzen Tag mit dem Audi durch die Gegend gefahren wird.
Also kehren wir Minuten später im Ladencafé Linden-Nord ein. Besitzerin Tomke behauptet, all ihre Kuchen seien toll – und es stimmt: Unsere beiden Kuchen sind lecker, cremig, einfach nice. Und außerdem total vegan, das freut vor allem Alexa, die in jedem Café sofort nach verganen Kuchen fragt – und oft enttäuscht wird. Ich bestelle noch einen «Flat White», weil das besser als «Cappuccino» klingt.

Dem Hund ist es einfach zu heiß draußen …

Dann herrlich in der Sonne sitzen und Kaffee schlürfen. Und während wir da so sitzen und verdrängen, dass morgen wieder Montag ist, setzen sich zwei junge Menschen an den Tisch an der Wand. Ich erschrecke, oje, die kenne ich: Das sind die beiden, die meine alte Lindener Wohnung von mir übernommen haben. Die Anzeige bei WG-Gesucht war keine Stunde online, da klingelten sie schon bei mir. Das war ein bisschen frech, aber na ja, sie haben die Wohnung schließlich bekommen. Wahrscheinlich haben sie seitdem nicht mehr geschlafen – sie sehen tatsächlich etwas müde aus. Über, unter und neben der Wohnung wohnen nämlich ausschließlich verrückte Spinner, die die ganze Zeit Krach gemacht haben. Zum Beispiel der Typ von gegenüber …
«Ja, ja, jaa, das hast du schon alles erzählt», grummelt Alexa und beißt in ihren Kuchen.

Dann will sie meinen probieren, aber ich lasse sie nicht. Ich hasse das nämlich: Es ist mein Kuchen, den hab ich mir ausgesucht und ich will nicht den Kuchen, den Alexa isst, sonst hätte ich mir den ja ausgesucht!
«Es ist eigentlich mein Kuchen, weil du gar kein Geld hast», korrigiert Alexa.
«Noch haben wir nicht bezahlt, es ist genau genommen also Tomkes Kuchen, den wir hier aufessen.»
«…»
«…»
«Ist zufällig ein Anwalt anwesend, der die Sache klären kann?»
Alle schauen anstrengt auf den Boden, bis einer im Anzug doch noch die Fassung verliert.
«Jaaa, gut – ich bin Fachanwalt für Kuchen-Recht», gesteht er.
«Aha, ein schöner Zufall. Wie ist das nun mit dem Kuchen? Wem gehört er? Wer darf beißen und wer nicht?»
«Also, der Gesetzgeber legt in Para–»

Kafee & Kosmetik

Schneller Themenwechsel: Das Ladencafé heißt so, weil es außer Kaffee und Kuchen auch noch Kosmetik zu kaufen gibt. Die stellt Tomkes Mutter her, sie ist gelernte Drogistin. Ein Beruf, den es in dieser Form nicht mehr gibt. Die Drogistin heute arbeitet bei Rossmann und verkauft 12-jährigen Mädchen Bilou-Schaum, der nach Donuts riecht. Und dann muss sie schnell an Kasse #2 sprinten, weil eine Oma lautstark verlangt, jene zu öffnen, die Schlange sei lang.

Tomkes Mutter kennt sich gut aus mit der Haut und weiß, was sie tut. In eigener Herstellung entstehen Seifen, Olivenölcremes und Bodysprays aus reinen ätherischen Ölen. All das gibt es im Ladencafé zu erwerben. Gern und ausführlich erklärt Tomke die verschiedenen Produkte und beantwortet Spezial-Fragen. Alexa probiert einmal alles aus und riecht wie eine rosige Orange, die ein Vanille-Lavendeleis gegessen hat.
«Ich will micht nicht einmischen, aber es ist verboten, die Düfte auf diese Weise zu mischen», sagt der Anwalt, der plötzlich neben uns steht. «Das regelt Paragr–»

#noexcuses

Rückweg durchs Ihmezentrum, wo Gespenster durch die zugigen Betongänge schweben. Auf der Fußgängerbrücke überholt uns ein Mädchen, das eventuell joggt, aber ständig stehen bleibt, um Selfies zu knipsen. Unser Ziel ist das Leineufer, ist die Altstadt. Wir nehmen die Calenberger Straße, laufen vorbei am Pfannkuchen-Haus. Dort wird es Pfannkuchen geben, nehme ich an. (Schreibt mal in die Kommentare, ob ihr das auch denkt!) Wir verweilen einen Augenblick vor der Calenberger Radkultur und betrachten die prächtigen Schindelhauer-Räder. Edle Fortbewegungsmittel, die ins Geld gehen, aber jeden Cent wert sind, wie ich finde.
«Achtung, das ist Werbung!», ruft Alexa und schaut mich erschrocken an.
«Oha, muss ich die jetzt kennzeichnen?»
«Besser is das!»
«Also gut: Werbung wegen Markennennung
Dann gehen wir weiter, und so weiter, bis wir am Leineufer sind. Menschen hocken an der Leine, Hunde bellen, das Wasser rauscht.

Das Ladencafé
Grotestraße 25
Linden-Nord

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