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List-Liebe: Oder ist das die Oststadt?

Auf der Suche nach Kaffee und Kuchen entdecken wir einen Schatz: das Bistro Gold am Wedekindplatz. Das reimt sich! Es ist Freitag und Feierabend, wir sind frei und fröhlich, denn die Sonne brennt und die Luft ist warm, fast heiß. Unterwegs zur Lister Meile – schon wieder, aber es ist ein Ort, an dem schnell vergessen ist, dass eine Pandemie die Welt im Würgegriff hält. Hier ist längst alles wie früher: Menschen sitzen und schwitzen und trinken und winken. Denn da kommt Gaby angelaufen, wie geht’s, wie steht’s,? Küsschen links und rechts, ups – alle angesteckt. Egal. Ein flauschiger Bichon Frisé tapst vorbei, grinst über beide Öhrchen. Wir sehen den fröhlichsten und glücklichsten Hund der Welt. Rennt fast gegen einen anderen Hund, gegen einen großen Windhund, dürr und edel – der beachtet den kleinen Bichon F. gar nicht weiter. Eingebildeter Kasper, aber den Bichon F. interessiert die Abfuhr nicht, er tapst fröhlich weiter, weil er supergute Laune hat. Absurd gute Laune, eigentlich fast schon ekelhaft. Wohin wollen wir eigentlich? «Kaffee trinken, Kuchen essen!», trällert Alexa. …

List-Liebe: Das ist kein Überfall!

Wir flanieren die Lister Meile entlang, entdecken das Mooimoin und essen Burger im Duke. Ein Streifzug durchs Stadtviertel. Die Lister Meile ist voll. Leute laufen umher, Kinder toben und kreischen, Hunde schnuppern und pullern. Unser erstes Ziel ist die Sparkasse, Geld holen, das dauert, weil der Automat keine Eile hat, es ist schließlich fast Wochenende. Manche tragen Masken wie Bankräuber, viele nicht. Vor der Post-Filiale stehen sie mit ihren Zalando-Paketen. Nach etwas Bedenkzeit spuckt der Automat schließlich zwei 50er aus, die ich im Portemonnaie verstaue. Seltsam, dass im Alltag noch immer Bargeld nötig ist, denke ich. Für andere ist Bargeld eine Art Freiheit. Für mich ist es ein latent nerviger Zustand, beim Bäcker plötzlich Kopfrechnen zu müssen, weil ich vergessen habe, Nachschub aus dem Automaten zu ziehen, und deshalb mit einem letzten 5-Euro-Schein Brot und Kuchen bezahlen muss – und das wird knapp, je nach Bäcker. Vergiss deinen Kuchen! Manche Bäcker sind immerhin in der Gegenwart angekommen und bieten Kartenzahlung an, Corona sei Dank. Mooimoin! Es ist der nächste Tag, ein Samstag, die Lister Meile …

Stadtbummel und Stammkreipe

Die Lister Meile lädt ein zum Flanieren, Einkaufen und Schauen. Runter also vom Sofa und rein ins gleißende Sonnenlicht: Momentaufnahmen aus der Oststadt. Manchmal wünsche ich mir, dass es den ganzen Samstag lang regnet – dann müsste ich nicht vor die Tür und könnte einfach im Bett liegen bleiben oder auf dem Sofa. Mal die Zeitung komplett lesen, sogar den Wirtschaftsteil. Doch an jenem Samstag schien die Sonne gnadenlos und trieb uns ins Freie. Mit dem Rad fuhren wir in die Innenstadt, um Produkte zu erwerben. Bei 25 Music hatte ich ein bisschen Glück, weil sie dort die neue LP von Jamie xx vorrätig hatten. Der Schallplatte lag auch eine CD bei – zwei obsolete Datenträger zum Preis von einem! (Der Musikliebhaber denkt nun: Vinyl ist obsolet?! Du Banause!) Nach einem kurzen Abstecher zu Zweitausendeins, wo ich noch ein Buch über Pablo Neruda erstand, schlenderten wir in Richtung Lister Meile und machten eine Kaffee- und Kuchenpause in der Konditorei Kreipe, einem Café das irgendwie auch Coffee Time heißt. Nerudas Gedichte dienten mir zeitweise als U-Bahn-Lektüre …