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Corona: Was wir vermissen

In diesen seltsamen Zeiten müssen wir alle auf vieles verzichten. Leicht ist das nicht. Eine unvollständige Liste an Dingen, die wir vermissen – und auf die wir uns freuen.

Einerseits haben wir uns daran gewöhnt, einen anderen Alltag zu haben, Abstand zu halten, Masken zu tragen und etwas vorsichtiger zu sein. Andererseits vermissen wir es, im List:ich beisammen zu sitzen und mit Freunden zu quatschen. Wir vermissen es, Spaghetti in der Trattoria zu speisen und doch noch einen zweiten Rotwein zu schlürfen. Wir vermissen das Stöbern ohne störende Gesichtsmaske – im Buchladen, bei Viewme, bei Maranolo, bei Liebe & Zeug. Wir vermissen diese scheinbar sinnlosen Streifzüge durch Geschäfte, das ziellose Schauen und das freudige Finden von schönen Dingen. Wir vermissen Spontankäufe (die wir später bereuen).

Im Teestübchen sitzen, quatschen und Karottenkuchen mampfen.

Wir vermissen den Trubel in den Kitas um die Ecke. Vermissen den Filmgenuss im Lodderbast und auch im Astor. Netflix ist wunderbar, aber es fehlen der Popcorn-Geruch, das Lachen der anderen und das Schniefen. (Ein bisschen fehlt uns sogar dieser eine Idiot, der während des Films ständig aufs Handy gucken muss.)

Wir vermissen es, an einem Samstagabend in Eva’s Kitchen zu verweilen und heimlich über die Tischnachbarn zu lästern. Wir vermissen das Geplapper der anderen, die Gespräche über Filme, Bücher, Fußball, Konzerte, Hochzeiten, Darmspiegelungen – und nicht immer nur Corona, Corona, Corona. Wir vermissen es, in der Karte nach einer Süßspeise zu stöbern. Wir vermissen die Bequemlichkeit, vermissen dass sich manchmal jemand anders ums Kochen, Abräumen und Abwaschen kümmert. Dass jemand eine Kerze anzündet und uns willkommen heißt.

Wir vermissen die Vorfreude auf neue Restaurants, Cafés und Läden. Wir vermissen das spontane Einkehren, zum Beispiel ins Corner, nach einem schönen Spaziergang in Linden. (Dann beginnt es, zu regnen, und wir sitzen am großen Fenster und schauen den Tropfen zu, wie sie in langen Streifen die Scheibe hinablaufen.)

Das süße Leben im Strandleben, hier im Sommer 2015 – ewig her.

Wir vermissen den cremigen Käsekuchen im Fräulein Schlicht, den Karottenkuchen im Teestübchen und den Whiskeykuchen im Yunana. Wir vermissen es, im V17 den besten Flat White der Stadt zu trinken. Wir vermissen die Cocktails im Lindenblatt und das Bierchen am Kiosk. Wir vermissen es, Freunde bei der Begrüßung zu umarmen. Vermissen die Lockerheit und Gelassenheit und das Lächeln, das jetzt hinter Masken verborgen bleiben muss.

Aber: Es hätte (viel) schlimmer kommen können! Wir sind allen dankbar, die sich die größte Mühe geben, die Stadt und das Land am Laufen zu halten. Trotz allem. Trotz der Spinner, die meinen, alles besser zu wissen.

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