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Pizzeria Napoli: Maradona schaut auf uns herab

In der Deisterstraße gibt es die kultige Pizzeria Napoli. Sie ist klein und immer voll, denn die Leute lieben diesen charmanten Ort, an dem Limoncello in Strömen fließt und herrlicher Pizzaduft durch die Luft wabert. Der selbstgemachte Limoncello ist leider leer. Die Leute lieben den. Die Zitronen kommen aus Italien, nur die besten, und das schmeckt man wohl. Ob das wirklich stimmt, müssen wir ein anderes Mal prüfen, wir müssen Geduld haben, müssen wiederkommen. Ich sehe uns im Sommer in der Sonne sitzen und Limoncello schlürfen; unsere Haut ist warm, das Leben schön. Ein Augenblick, der ewig dauern müsste: nur sitzen und genießen und trinken. Das Licht. Die Wärme. Das Lächeln! Die Realität ist jedoch noch weiß und grau. Der Himmel ist eine einfarbige Fläche und die Luft ist kalt. Der Wind weht ein paar Flocken umher. Ist das Asche? Wütend speit der Vulkan die glühende Lava in die Höhe, wütend ergießt sich der Strom über die Stadt und alles verbrennt; ein neues Pompeji. Sechs Sterne für Napoli Wo sind wir überhaupt? In der Pizzeria …

Guten Kaffee in Hannover kaufen

But first Coffee: Die beiden Kaffee-Blogger Finn und Mirjam haben in Hannover drei Röstereien gefunden, bei denen ihr die besten Kaffeebohnen der Stadt bekommt. Denn guter Kaffee ist ein unvergleichlicher Genuss. Habt ihr schon mal einen Hauch von Grapefruit, Aprikose oder Schwarze Johannisbeere aus dem Kaffee herausgeschmeckt? Vermutlich nicht. Viele Menschen wissen nämlich gar nicht, dass Kaffee neuartige und intensive Geschmackserlebnisse hervorrufen kann – vergleichbar mit einem guten Wein. Um das mit eigener Zunge zu erfahren, könnt ihr einfach in ein gutes Café gehen, etwa ins Fräulein Schlicht mit Kaffeebohnen von Omkafe. Oder ihr brüht euch zu Hause selbst einen guten Kaffee auf. Das geht auch in Jogginghose. In Deutschland verkaufen Supermärkte und Discounter den meisten Kaffee – doch wir können davon nur abraten. Wirklich gute Kaffeebohnen sind dort eher nicht zu finden, weil ein günstiger Preis wichtiger ist als gute Qualität. Ein weiteres Problem liegt in der fehlenden Frische der Ware: Kaffee vom Discounter wird nach dem Rösten zunächst in ein Großlager transportiert, ehe es in die verschiedenen Filialen geht. In dieser Zeit altert …

Das Ladencafé: Wem gehört der nice Kuchen?

Ein Sonntag in Linden: People-Watching auf der Limmerstraße und ein fantastischer Kuchen im Ladencafé. Limmerstraße: sonnige Gesichter, kiffende Omas, und Hunde, die ohne Leine laufen dürfen. Schön hier, immer wieder. Aber, ach: Das Café Bohne hat geschlossen – endgültig, für immer. Jemand hat vor dem Schaufenster ein paar Kerzen und Kuscheltiere aufgestellt. Auf zwei Papierblättern steht «Warum?» und «Bohne – Wir vermissen dich». Auch die Bäckerei Doppelkorn nebenan ist bedroht, sie sucht neue Räumlichkeiten. Tja, und irgendwann gibt’s hier nur noch Rossmann, Rewe, Zara – eben all die schrecklichen Geschäfte ohne jeden Charme, die schon die Innenstadt verschandeln. Es ist offenbar keine einfache Zeit, einen Laden zu eröffnen oder ein Café zu führen. Im Ladencafé Linden Nord An der Haltestelle steht Stelldichein-Lisa, sie war vorhin schon auf dem Maschsee segeln und im Café Corner Käsekuchen essen, erzählt sie fröhlich.«Oh, ich will jetzt auch Kuchen», nöle ich wie ein verwöhntes Kleinkind, das jeden Wunsch erfüllt bekommt, weil es sonst die ganze Welt in Stücke haut.Also kehren wir Minuten später im Ladencafé Linden-Nord ein. Besitzerin Tomke behauptet, …

Ein sonniges Plätzchen im Fräulein Schlicht

Im Fräulein Schlicht in Linden gibt es Kaffee und Kuchen – und Hannovers schönsten Hinterhof. Dort sitzen wir und schlürfen Flat Whites und Latte Macchiato mit Hafermilch. Der Fahrtwind zerzaust unsere Haare, das Sonnenlicht kitzelt in der Nase: Wir sind unterwegs auf unseren Fahrrädern, brausen an der Ihme entlang, in Richtung Linden. Im Gras hocken ein paar Jungs und kiffen und kichern. Auf dem Asphalt rollen Skater entlang, schlingern von links nach rechts, verjagen die Tauben. Struppige Hunde tollen herum, jagen bellend Bälle und Libellen. Uns alle hat das herrliche Wetter nach draußen gelockt – wir wollen das Licht und die Wärme auf der Haut spüren. Und wir wollen ein gutes Stück Kuchen essen! Ich niese zwölfmal, meine Nase läuft, meine Augen jucken. Durch die Luft wehen auch Pollen, viele, viele Pollen. Wir rollen vorbei am Ihme-Zentrum, das im Sonnenlicht fast ein bisschen hübsch aussieht. Aber doch nur fast.«Ich hasse Leute, die alles von ihrer scheiß Steuer absetzen», grummelt ein hippes Mädchen, das wir überholen.Für uns geht es hoch zur Leinertbrücke, rüber auf die andere …

Köstlich: Syrisches Abendessen im Al-Dar

Schon oft hörten wir Freunde von den leckeren Speisen des Al-Dar schwärmen. Doch erst jetzt haben wir dort einen Tisch für zwei reserviert, um die «Köstlichkeiten der syrischen Küche» selbst zu probieren. Im Innenhof zeigt der Kellner auf einen freien Tisch – unseren Tisch. Wir sitzen keinen Augenblick, schon zündet am Nebentisch eine Frau eine Zigarette an, zieht dran, inhaliert und pustet den Rauch in die Luft. Die Frau heißt Ursula. Ich werde sie hassen lernen an diesem wunderschönen Abend, an dem die Sonne uns mit ihrem Licht verwöhnt, das auf der Haut kitzelt. (Ich niese laut, weil ich diesen photischen Niesreflex habe. «Gesundheit!», ruft jemand von irgendwoher, ich sage «Danke» in alle Richtungen und winke wie die Queen.) Mir war fast entfallen, dass im Freien kein Rauchverbot gilt, sondern nur optionale Rücksichtnahme. Ursula genießt ihre Fluppe in vollen Zügen und ignoriert, dass der Rauch in die Stupsnase eines Mädchens wabert, das zappelnd an einem anderen Nebentisch sitzt und die Welt mit ihren Buntstiften verschönert. Das Mädchen freut sich trotz der schlechten Luft – ich …

Japanische Teezeremonie: In Ruhe schlürfen

Entspannen, den Geist zur Ruhe kommen lassen – und dabei Matchatee schlürfen: Wir waren bei einer japanischen Teezeremonie dabei, die regelmäßig im Stadtpark Hannover durchgeführt wird. Einatmen. Mein tägliches Teetrinkritual ist sehr simpel: Teebeutel in die Tasse plumpsen lassen, heißes Wasser drüber – fertig. Japaner lassen sich für den Teegenuss mehr Zeit, viiiel mehr Zeit. Geschlagene fünf Stunden kann eine traditionelle Teezeremonie schon mal dauern. Die Teetrinkenden sollen die Zeit am besten komplett vergessen und sich einfach entspannen, sich voll und ganz auf den Tee konzentrieren. Ausatmen. Klingt verlockend, diese Langsamkeit – also buchen wir eine Teezeremonie für Einsteiger. Die ist auf zwei Stunden angesetzt und findet in einem kleinen Teehaus im Stadtpark Hannover statt. Das Häuschen ist ein Geschenk von Hannovers Partnerstadt Hiroshima. Heute dient das Teehaus als Kulisse für japanische Teezeremonien – übrigens einzigartig in Hannover. Teezeremonie im Stadtpark Es ist ein unruhiger Tag im Spätfrühling. Ein bisschen Sonne, ein bisschen Regen, viel Wind. Wir brechen zu spät auf und eilen zum Stadtpark. Das mit der Entspannung und Langsamkeit fängt ja gut an! …

Lieb.es: Salate in der Nordstadt speisen

Wir verlassen die Südstadt und gehen fremd mit der Nordstadt. Auf dem E-Damm flanieren wir im Gegenwind und speisen im Lieb.es – dem neuen Ableger vom Love It Healthy. Die Böen können sich nicht entscheiden, kommen mal von vorne, mal von hinten, schieben uns weg, schieben uns an. Mit großer Freude zerfetzt der Wind unsere Frisuren und weht Eiskugeln aus Eisbechern. Kinder weinen, Väter trösten. Wir sind trotz Gegenwind rasant unterwegs, denn wir haben einen starken Antrieb: Hunger. Mit letzter Kraft erreichen wir die Nordstadt, den E-Damm, das Lieb.es. Draußen ist die Sonne gerade hinter den Häusern verschwunden, also gehen wir rein, da ist es warm und windstill. Die Bedienung begrüßt uns auf netteste Art und Weise. Wären doch alle Menschen so lieb und freundlich, zum Beispiel Taxifahrer, Polizisten und Politiker. Die Welt wäre eine bessere. Wir schauen nach dem besten Platz, doch auf dem sitzt schon Alina, der das Lieb.es und das Love It Healthy gehören. Sie kriegt hier alles umsonst, denke ich. Wir sitzen dann ganz hinten auf dem Sofa, dem zweitbesten Platz im …

Tretboot-Tour auf dem Maschsee

Mit dem Tretboot gleiten wir gemächlich über den Maschsee. Unter uns die dicken Karpfen, über uns der blaue Himmel – und hinter uns ein paar hungrige Enten, die auf ein paar Brotkrümel hoffen. Leicht schaukelnd stechen wir in See auf dem Maschsee. Die Wellen sind mindestens drei Zentimeter hoch und klatschen gegen den blauen Bug. Der Wind frischt auf und wuschelt durch die Bäume am Ufer und durch unsere Frisuren. «Die Segelboote haben Vorfahrt – und alle anderen auch», hat uns die Kassiererin erklärt. Und wir sollen nicht hinter die Bojen fahren. Klingt machbar. Segelboote haben Vorfahrt – alle anderen auch Kaum auf flacher See, sind wir von gierigen Enten umgeben. Sie hoffen auf ein paar Brotkrümel und folgen uns. Schnell akzeptieren sie unser Tretboot als ihre neue Mutter – eine Mutter, die ihre Kinder fast überfährt. Es ist nämlich nicht so einfach, das Boot zu steuern: Eine Servolenkung hat es nicht und die Pedale sind dicke Holzklötze. Die Tretbootfahrt trainiert nicht nur unsere Beine, sondern auch die Arme und den Geist, der wachsam sein muss, …