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Tretboot-Tour auf dem Maschsee

Von Daniel · 5. Juli 2016

Mit dem Tretboot gleiten wir gemächlich über den Maschsee. Unter uns blubbern dicke Karpfen, über uns erstreckt sich der blaue Himmel – und hinter quäken ein paar hungrige Enten, die auf ein paar Brotkrümel hoffen.

Leicht schaukelnd stechen wir in See auf dem Maschsee. Die Wellen sind mindestens drei Zentimeter hoch und klatschen gegen den blauen Bug. Der Wind frischt auf und wuschelt durch die Bäume am Ufer und durch unsere Frisuren. «Die Segelboote haben Vorfahrt – und alle anderen auch», hat uns die Tretbootvermieterin erklärt. Und wir sollen nicht hinter die Bojen fahren! Klingt machbar.

Segelboote haben Vorfahrt – alle anderen auch

Kaum auf flacher See, sind wir von gierigen Enten umgeben. Sie hoffen auf ein paar Brotkrümel und folgen uns hartnäckig. Schnell akzeptieren sie unser Tretboot als ihre neue Mutter – eine Mutter, die ihre Kinder fast überfährt. Es ist nämlich nicht so einfach, das Boot zu steuern: Eine Servolenkung hat es nicht und die Pedale sind dicke Holzklötze.

Eine Tretbootfahrt trainiert nicht nur unsere Beine, sondern auch die Arme und den Geist, der wachsam sein muss, wegen der anderen Hobby-Kapitäne, die nicht wissen, welche Bojen sie eigentlich nicht passieren dürfen. «Eins! Zwei! Drei! Vier!», hallt es über das Wasser. Ein paar Ruderer krachen an uns vorbei. Die haben auch Vorfahrt.

Eins! Zwei! Drei! Vier!
Eins! Zwei! Drei! Vier!

Unter uns schwappt grünes Wasser, metertief, zwei, drei Meter. Da unten auf dem Grund des Maschsees leben Ungeheuer und große Karpfen, die Enten essen und manchmal auch ganze Schwäne. Ihre bedrohlichen Rückenflossen zerschneiden die Wasseroberfläche.

Ein Mann schwimmt im kalten Nass – dieser Lebensmüde! Wir sehen seinen Kopf über dem Wasser. Und dann ist er plötzlich verschwunden, blubb, blubb, blubb.
«Diese gierigen Karpfen», murmelt unser einbeiniger Matrose und senkt den Kopf. Wir schweigen und gedenken. Dann taucht der Schwimmer wieder am Ufer auf, sein Körper gleitet elegant aus dem Wasser. Er schüttelt seine nassen Haare wie ein Hund. Er winkt uns fröhlich zu. Der Matrose seufzt.

Blubb, blubb, blubb: Karpfen unterhalten sich über das Wetter (und fressen dann einen Schwan.)
Blubb, blubb, blubb: Karpfen unterhalten sich über das Wetter (und fressen dann einen Schwan).

Quietschend bewegen wir uns fort, schaukeln über den Maschsee. Am Ufer flanieren die Flaneure; sie trinken Bier und Bio-Limo. Am Eiswagen von Frioli hat sich eine lange Schlange gebildet, das Nusseis ist schon ausverkauft. Jogger schwitzen und hecheln und laufen. Heute ist es verdammt heiß und wir haben die Sonne im Nacken. Am Ufer sitzen auch zwei hippe Agenturmädchen. Harter Tag heute, schwieriger Pitch bei einem schwierigen Kunden. Jetzt chillaxen die beiden und machen Selfies für ihr vegan-zuckerfreies Fashionblog. Sie probieren ein paar Gesichter aus, das neunzehnte ist dann: perfekt!

«Hey, ihr Schnuffies, macht lieber mal ’n Politblog auf, in dem ihr euch über die gesellschaftlichen Missstände echauffiert!», brüllt Alexa über das Wasser. Sie steht auf dem schwankenden Boot, hat schon ein Radler und viel Vitamin D intus.
«Mach das doch selber, du Tretbootpiratin», kreischt das eine Mädchen. Das andere nickt energisch, dabei fällt der sorgsam drapierte Half-Bun-Dutt auseinander.
«Arrrrr!», macht Alexa. Wir sind Freibeuter auf Schatzsuche und hissen die Totenkopf-Flagge.

Am Horizont sehen wir das Neue Rathaus

Hat uns die Sonne zu lange auf die Köpfe geschienen? Wer weiß. Wahrscheinlich schon. Wir strampeln weiter in Richtung Nordufer. Am Horizont sehen wir flauschige Wolken und in weiter Ferne das Neue Rathaus. Der Ausblick ist schön – schon allein deshalb lohnt sich eine Tretbootfahrt!

Als die Sonne hinter den Wolken verschwunden ist, kehren wir um. Umständlich parken wir das Boot an der Yachtschule neben dem Pier 51, krachen zwischen die anderen Tretboote und tüddeln das Seil irgendwie um diesen Halter am Steg. Unser einbeiniger Matrose schüttelt den Kopf, seufzt. Langsam nervt das.

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Servolenkung? Nö.

Zurück in der kleinen Verleihbude. «Zwei Stunden», sagt die Kassiererin mit leichtem Zweifel in der Stimme, als sie unser Leihkärtchen abstempelt.
«Zwei Stunden? Alle Achtung – bei dem Wetter», lobt ein Mann, dem Salzwasser durch die Adern fließt. Wir sind ein bisschen stolz; ich weiß nur nicht, warum. Uns hat immerhin kein Karpfen gefressen. Und wir sind nicht gekentert, nicht ertrunken. Unsere Nacken aber, die sind gut durch und schön rot.

Auf wackligen Seebeinen machen wir uns auf den Heimweg. Hinter uns watscheln zwölf kleine Enten. Sie dürfen heute bei uns im Bett schlafen.

Auch Segelboote kann man mieten, um den Maschsee zu befahren.

Alle Infos: Tretboot-Verleihe am Maschsee

Am Maschsee gibt es zwei Verleih-Stationen für Segel-, Ruder- und Tretboote. Am Nordufer gegenüber des Sprengel-Museums befindet sich die Segel- und Yachtschule Maschsee-Nord. Eine halbe Stunde Tretbootfahren kostet hier 10 Euro und eine ganze 14 Euro. Ab drei Personen wird es jeweils 4 Euro teurer. Wer einen «Sportbootführerschein Binnen» besitzt, kann sich auch eine Jolle mieten und über den Maschsee gleiten – nice!

Am Pier 51 findet ihr außerdem die Yachtschule Hannover. (Dort haben wir unser Tretboot ausgeliehen.) Eine Stunde kostet werktags 8 Euro; am Wochenende und an Feiertagen sind es 16 Euro. Für den Preis dürfen zwei Personen ins Boot, jede weitere kostet 2 Euro extra. Als Pfand behält die Kassiererin den Personalausweis. (Möglicherweise akzeptieren sie auch Kleinkinder und Großeltern als Pfand.)


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