Feature, Freizeit
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Tretboot-Tour auf dem Maschsee

Mit dem Tretboot gleiten wir gemächlich über den Maschsee. Unter uns die dicken Karpfen – und hinter uns ein paar hungrige Enten, die auf ein paar Brotkrümel hoffen.

Leicht schaukelnd stechen wir in See auf dem Maschsee. Die Wellen sind mindestens drei Zentimeter hoch und klatschen gegen den weißen Bug. Der Wind frischt auf und wuschelt durch die Bäume am Ufer und unsere Frisuren.
«Die Segelboote haben Vorfahrt – und alle anderen auch», hat uns die Kassiererin erklärt. Und wir sollen nicht hinter die Bojen fahren. Klingt machbar.

Kaum auf flacher See, sind wir von gierigen Enten umgeben. Sie hoffen auf ein paar Brotkrümel und folgen uns. Schnell akzeptieren sie unser Tretboot als ihre neue Mutter – eine Mutter, die ihre Kinder fast überfährt. Es ist nämlich nicht so einfach, das Boot zu steuern: Eine Servolenkung hat es nicht und die Pedale sind dicke Holzklötze. Die Tretbootfahrt trainiert nicht nur unsere Beine, sondern auch die Arme und den Geist, der wachsam sein muss, wegen der anderen Hobby-Kapitäne, die nicht wissen, welche Bojen sie eigentlich nicht passieren dürfen.
«Eins! Zwei! Drei! Vier!», hallt es über das Wasser. Ein paar Ruderer krachen an uns vorbei. Die haben auch Vorfahrt.

Eins! Zwei! Drei! Vier!

Eins! Zwei! Drei! Vier!

Unter uns schwappt grünes Wasser, metertief, zwei, drei Meter. Da unten auf dem Grund des Maschsees leben Ungeheuer und große Karpfen, die Enten essen und manchmal auch ganze Schwäne. Ihre bedrohlichen Rückenflossen zerschneiden die Wasseroberfläche.
Ein Mann schwimmt im kalten Nass – dieser Lebensmüde! Wir sehen seinen Kopf über dem Wasser. Und dann ist er plötzlich verschwunden, blubb, blubb, blubb.
«Diese gierigen Karpfen», murmelt unser einbeiniger Matrose und senkt den Kopf. Wir schweigen und gedenken.
Dann taucht der Schwimmer wieder am Ufer auf, gleitet elegant aus dem Wasser. Er schüttelt seine nassen Haare wie ein Hund. Der Matrose seufzt.

Blubb, blubb, blubb: Karpfen unterhalten sich über das Wetter (und fressen dann einen Schwan.)

Blubb, blubb, blubb: Karpfen unterhalten sich über das Wetter (und fressen dann einen Schwan.)

Quietschend bewegen wir uns fort, schaukeln über den Maschsee. Am Ufer flanieren die Flaneure, trinken Bier und Bio-Limo. Jogger schwitzen und hecheln. Heute ist es verdammt heiß und wir haben die Sonne im Nacken.
Am Ufer sitzen auch zwei hippe Agenturmädchen. Harter Tag heute, schwieriger Pitch bei einem schwierigen Kunden. Jetzt chillaxen die beiden und machen Selfies für ihr vegan-zuckerfreies Fashionblog. Sie probieren ein paar Gesichter aus, das neunzehnte ist es dann. Perfekt!
«Hey, ihr Schnuffies, macht lieber mal ’n Politblog auf, in dem ihr euch über die gesellschaftlichen Missstände echauffiert!», brüllt Alexa über das Wasser. Sie steht auf dem schwankenden Boot, hat schon ein Radler und viel Vitamin D intus.
«Mach das doch selber, du Tretbootpirat!», kreischt das eine Mädchen. Das andere nickt energisch, dabei fällt sein Half-Bun-Dutt auseinander.
«Arrrrr!», macht Alexa.
Hat uns die Sonne zu lange auf die Köpfe geschienen? Wer weiß. Wir strampeln weiter in Richtung Nordufer. Am Horizont sehen wir flauschige Wolken und in weiter Ferne das Neue Rathaus. Der Ausblick ist schön – schon allein deshalb lohnt sich eine Fahrt. Als die Sonne hinter den Wolken verschwunden ist, kehren wir um. Umständlich parken wir das Boot an der Yachtschule, krachen zwischen die anderen Tretboote und tüddeln das Seil irgendwie um diesen Halter am Steg. Unser einbeiniger Matrose schüttelt den Kopf, seufzt. Langsam nervt das.

maschsee-hannover-tretboot

Zurück in der kleinen Verleihbude:
«Zwei Stunden», sagt die Kassiererin mit leichtem Zweifel in der Stimme, als sie unser Leihkärtchen abstempelt.
«Zwei Stunden? Alle Achtung, bei dem Wetter!», lobt ein Mann, dem Salzwasser durch die Adern fließt.
Auf wackligen Seebeinen machen wir uns auf den Heimweg, hinter uns watscheln zwölf kleine Enten. Sie dürfen heute bei uns im Bett schlafen.

Tretboot-Verleihe am Maschsee

Am Maschsee gibt es zwei Verleih-Stationen für Segel-, Ruder- und Tretboote. Am Nordufer befindet sich die Segel- und Yachtschule Maschsee-Nord. Eine halbe Stunde Tretbootfahren kostet 10 Euro und eine ganze 14 Euro. Ab drei Personen wird es jeweils 4 Euro teurer.

Am Pier 51 findet ihr außerdem die Yachtschule Hannover. Dort haben wir unser Boot ausgeliehen. Eine Stunde kostet werktags 7 Euro, am Wochenende und an Feiertagen sind es 14 Euro. Es lohnt sich also, mal früher Feierabend zu machen. Als Pfand behält die Kassiererin den Personalausweis. (Möglicherweise akzeptieren sie auch Kleinkinder und Großeltern als Pfand.)

Yachtschule Hannover
Rudolf-von-Bennigsen-Ufer 51
30173 Hannover

8 Kommentare

  1. Johanna H. sagt

    Ich würde gerne wissen, von wann bis wann man bei Ihnen Tretboot fahren kann. Wir würden morgen Abend gerne ein Tretboot mieten und fragen uns, wie lang dies möglich sein wird. Über eine kurze Rückmeldung per Mail wäre ich Ihnen sehr dankbar.

    Herzliche Grüße
    Johanna Hillmann

    • Hallo Johanna,
      wir sind leider nicht der Tretbootverleih. 😉 Wir sind nur zwei junge Hannoveraner, die ab und zu mit dem Tretboot über den Maschsee schippern und dann darüber auf ihrem Blog berichten. 😀
      Bitte wende dich mit deinem Anliegen doch direkt an den Verleih. Die Website haben wir im Text verlinkt.
      Viele Grüße
      Alexa

  2. Kevin P. sagt

    Ich hätte da noch eine frage wieviele personen passen in so ein tretboot kann man auch nur zu 2.?

  3. Monika W. sagt

    Hallo!
    Dürfen kleine Hunde mit in das Boot?
    Wenn man sie anschnallt?
    Über eine Rückmeldung würde ich mich sehr freuen.
    LG, Monika

    • Hey Monika,

      bestimmt dürfen kleine Hunde mit (wenn sie nicht seekrank werden). Aber: Wir sind nicht der Bootsverleih – du müsstest dort direkt nachfragen. Die Webseiten sind oben im Text verlinkt, da gibt’s dann auch die Telefonnummern. 🙂

      Gruß
      Daniel

  4. Monika sagt

    Dankeschön, Daniel. Ich habe dort schon angerufen. Meine kleine Fellnase darf mit ins Boot.
    LG, Monika

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