Autor: Daniel

MuseumsCard: Die Museums-Flatrate für Hannover

Für 60 Euro ein Jahr lang viele Museen in Hannover besuchen – das ermöglicht die neue MuseumsCard. Doch lohnt sich die Flatrate für wissensdurstige Stubenhocker? Museen sind super: Wenn draußen die Sonne brennt und Menschen über ihre Socken luftige Sandalen schieben, gehe ich gern ins Landesmuseum. Da ist es kühl und leer, weil alle anderen im Freibad liegen. Und auch jetzt, wenn es gar nicht richtig hell wird, sondern maximal grau, sind Museen herrliche Orte der Zuflucht: Es ist warm, das Licht ist schön und es gibt oft Tee und Kuchen. Und interessante Ausstellungen gibt es ja auch noch zu sehen: düstere Gemälde, alte Sachen, Moorleichen, Hitler, Figuren, Dinos – und dieser eine Fisch, der dir tief in die Seele blickt und sofort alles über dich weiß. Museums-Jahreskarte Für Museums-Hopper und Flatrate-Fans gibt es seit 2016 die MuseumsCard. Sie bietet ein Jahr lang freien Eintritt in die neun größten Museen von Hannover – darunter das Landesmuseum (Steine und Knochen), das Historische Museum (He-Man-Kassette), die Kestner-Gesellschaft (Kunst), das Sprengel-Museum (noch mehr Kunst) und das Wilhelm-Busch-Museum (Strichmännchen). …

Hinter den Kulissen von Ikea Hannover

Seit zehn Jahren gibt es Ikea auch in Hannover. Zur Feier des Tages durften wir einen Blick hinter die Kulissen des Möbelhauses werfen – und Kuchen essen. Auf dem Asphalt stehen vier große Kartons und daneben stehen Elfi und ihr Mann Theodor. Sie schauen ihr Auto an, als sähen sie es zum ersten Mal. Theodor war sich doch so sicher gewesen, dass die neuen Möbel «locker ins Auto passen» würden! Und jetzt stehen sie da mit ihrer neuen Kommode und ihrem kleinen Lupo. Wir parken gegenüber, steigen aus und merken uns «C1». Theodor bricht in Tränen aus, er ist ein dramatischer Typ, den alles aus der Fassung bringt. Wir gehen schnell rein, die roten Lettern weisen uns den Weg: eingang. Auf der Rolltreppe stehen wir hinter Pärchen, die sich umarmen und knutschen. Ein Ikea-Besuch ohne Partner (aber mit Mutti) war immer ein bisschen unangenehm, weil die anderen so glücklich und verliebt und verschmust schienen. Gemeinsam haben sie sich ihr erstes Bett ausgesucht, die passende Matratze – und ein paar Blumen, Decken, Untersetzer, Gläser, Teppiche. Und …

Eliniko: Griechisch schlemmen in der Südstadt

An einem Abend im Spätsommer tafeln wir im Eliniko in der Marienstraße. Der «innovative Grieche» verspricht «erlesene Speisen». Ein verlockendes Versprechen. Feierabend, wir sind frei. Es ist Spätsommer und die Sonne steht tief am Himmel und erinnert uns daran, dass bald die Bäume ihre Blätter abwerfen und eisige Winde wehen. Weil ich Geburtstag habe, darf ich mir das Restaurant fürs Abendessen aussuchen.«McDonald’s!»«Nein», sagt Alexa.«Burg–»«Nein.»Am Ende fällt die Auswahl auf das Eliniko in der Marienstraße, denn nach Pommes und Burger mag ich Pommes und Gyros am liebsten. Der innovative Grieche Der «innovative Grieche» verspricht ein «wunderbares Ambiente» und «erlesene Speisen». Mir ist einfach nur nach Gyros und Suflaki – ich bin halt ein einfaches Gemüt (und krieg selten mit, wie mir geschieht). Im Eliniko gibt es aber auch ausgefallenere Sachen, die mit Fleisch zu tun haben. Und auch Vegetarier sollen im Eliniko satt werden – das beruhigt Alexa, die manchmal mit dem Veganismus liebäugelt und sich viel, viel gesünder ernährt als ich. (Kein Wunder, dass Frauen viel älter werden als Männer. Immerhin rauche ich nicht und …

Boca Chica: Karibisches Abendessen

Im Boca Chica wollen wir unsere Geschmacksnerven mit «karibischen Köstlichkeiten» verwöhnen. Wir fahren durch den dichten Verkehr in die Innenstadt. Unser Ziel ist das Boca Chica in der Calenberger Neustadt. Das Restaurant liegt in der Oeltzenstraße, eine Seiteneinbahnstraße, die von der Königsworther Straße abgeht. Gekonnt zirkelt Alexa ihren Opel in eine schmale Parklücke. Wir steigen durch den Kofferraum aus. Die Sonne scheint schön in die Straße, alles ist goldig. Vor einem Hauseingang sitzen ein paar SoWi-Studenten in weichen Sesseln und essen Pizza direkt aus dem Pappkarton, trinken Wein aus dem Tetrapak. So lässt sich das Leben aushalten. Wir winken und gehen weiter. Im Boca Chica ist noch nicht viel los: Drinnen sitzen nur ein Mann ohne Haare und seine Frau ohne Frisur. Verträumt schauen sie aus dem Fenster. Geweitete Pupillen, schweifende Gedanken. Wie gern sie doch wieder Studenten wären. Wir setzten uns nach draußen, das angekündigte Gewitter ist vorbeigezogen. Nur der Wind frischt etwas auf und rüttelt die Sonnenschirme kräftig durch. Es regnet kleine Ameisen, die hoch hinaus wollten. Alexa wählt Verdura a la Mexico …

Ein Nachmittag auf Schloss Marienburg

Auf in die Region Hannover: An einem Sonntag im Spätsommer schlürfen wir Kaffee im Schlosshof der Marienburg. Auf dem Marienberg thront das Schloss Marienburg, in der einst Marie lebte, die Frau von Georg Number 5. Der hat ihr das Schloss damals zum 39. Geburtstag geschenkt. Doch als Marie ihrem Liebsten zu Weihnachten nur gepunktete Socken schenkte, ging Georg beleidigt ins Exil nach Österreich. «Ich schenkte dir ein Schloss, holde Maid, und du gibst mir ein Paar lumpige Socken?!», schrie er und fuhr sodann davon, in der Kutsche, zum Bahnhof. (Und sie lebten getrennt bis ans Ende ihrer Tage.) Sonniger Sonntag im Schloss Marienburg Hundert Jahre später. An einem sonnigen Sonntag kommen wir auf dem Marienberg an, mit dem Auto, andere nehmen das Fahrrad, gehen zu Fuß. Das letzte Mal war ich als Kind hier oben, vor zwanzig Jahren, und irgendwie sieht es noch immer so aus wie früher. Auf dem Waldboden liegen Bucheckern– «Hör auf, in Nostalgie zu schwelgen und komm!», ruft Alexa ungeduldig. Also laufen wir geschwind zum Schloss, das heute – neben dem …

Frühstück im Familien-Café Rockzipfel

Im Café Rockzipfel dürfen Kinder toben, kreischen, spielen – und niemand guckt genervt. Wir wagen uns hinein, obwohl wir keine Kinder haben. Zum zweiten Frühstück kehren wir heute im Rockzipfel ein, das sich selbst mit kleinem r klein schreibt, denn das charmante Café begrüßt auch kleine Gäste mit offenen Armen. Für Kinder gibt es drinnen eine Art Gehege, in dem sie toben können, während sich die müden Eltern mit starkem Kaffee in den Tag pushen. Draußen steht noch eine kleine Rutsche – und am Eingang steht Luisa-Maria-Sophie im bunten Kleid und mit langen Zöpfen.«Mamaaa, kommaaa», ruft sie und trippelt zaghaft ins Café mit ihrem Roller. Dann hilft sie ihrer kleinen Schwester, die kaum laufen kann, weil sie hart gefeiert hat und jetzt einfach nur einen Kaffee braucht, schwarz, und dazu das «Hausboot»-Frühstück mit Lachs. Ich entscheide mich fürs «klein & süß» (4,90€) plus Ei (80 Cent), weil ich 1.) schon ein bisschen vorgegessen habe, heute Morgen, weil ich mit leerem Magen nicht funktioniere, und 2.) weil das Frühstück halt süß sein muss. Bin ja kein …

Kaffee-Seminar: Interessiert uns die Bohne!

Der Siebträger brummt und pullert herrlich duftenden Kaffee in die Tasse. Doch wie wird aus der Bohne eigentlich das beste Getränk der Welt? Und woran erkennt man wirklich guten Kaffee? Um mehr über Kaffee, seine Röstung und Zubereitung zu erfahren, fahren wir nach Burgdorf. Die Hannoversche Kaffeemanufaktur hat uns dort zu einem Kaffee-Seminar eingeladen und verspricht eine «kulinarische Genussreise durch die Welt des Kaffees». Auf weiten Weiden grasen gut frisierte Pferde; auf dem Feldweg hüpfen winzige Frösche über pummelige Käfer. In Hannovers Umland ist die Welt noch in Ordnung.«Aber es riecht komisch», sage ich.«Das ist die Natur, herrlich», flötet Alexa beschwingt und umarmt noch schnell einen klebrigen Baum. Dann betreten wir die Kaffeemanufaktur, wo es durch die warmen Farben sofort gemütlich wirkt. Und es duftet viel besser als da draußen, nämlich nach Kaffee. Wir setzen uns an einen rustikalen Tisch und genießen die erste Tasse Kaffee. Er stammt aus Äthiopien und besticht durch ein fruchtig-blumiges Aroma.«Erinnert irgendwie an Tee», findet Alexa.Normalerweise würde ich mir jetzt eine halbe Tüte Milch in den Kaffee schütten, doch diesen …

Eat The World: Kulinarische Stadtführung durch Linden

Wir begeben uns auf eine kulinarische Reise durch Linden-Mitte und Linden-Süd. Wir entdecken schöne Orte und erfahren spannende Stadtgeschichten. Am Ende dieser besonderen Stadtführung sind wir doch noch satt geworden. In unseren Bäuchen vermischen sich Nuss-Eis mit Kidney-Bohnen, Schafskäse mit Knoblauch und Falafel mit Schokolade. Wir sitzen im Tandure am Ihmeufer. Ein lauer Wind bringt die bunten Tücher über unseren Köpfen zum Tanzen. An einem langen Tisch feiern sie einen Jungesellinnenabschied.«Haben früher nur die Männer gemacht, so auf ihre Weise», sagt Ilse, saugt an ihrer Zigarette und bläst den Qualm in die Luft.Die Frauen sind schwarz gekleidet, nur die Braut trägt weiß. Mit verbundenen Augen entsteigt sie einem bulligen Audi S6. Vitali ist ganz hin und weg von dem Gefährt. So einen will er sich auch holen, irgendwann, sagt er, und sieht verträumt in sein Bierglas. Die Braut nimmt das Tuch von den Augen und kreischt vor Freude. Vor dreieinhalb Stunden haben wir vor dem Theater am Küchengarten (TAK) gewartet. Wir sind 16 Menschen, die heute die kulinarische Seite von Linden erkunden wollen. Corinna von …

Tretboot-Tour auf dem Maschsee

Mit dem Tretboot gleiten wir gemächlich über den Maschsee. Unter uns die dicken Karpfen, über uns der blaue Himmel – und hinter uns ein paar hungrige Enten, die auf ein paar Brotkrümel hoffen. Leicht schaukelnd stechen wir in See auf dem Maschsee. Die Wellen sind mindestens drei Zentimeter hoch und klatschen gegen den blauen Bug. Der Wind frischt auf und wuschelt durch die Bäume am Ufer und durch unsere Frisuren. «Die Segelboote haben Vorfahrt – und alle anderen auch», hat uns die Kassiererin erklärt. Und wir sollen nicht hinter die Bojen fahren. Klingt machbar. Segelboote haben Vorfahrt – alle anderen auch Kaum auf flacher See, sind wir von gierigen Enten umgeben. Sie hoffen auf ein paar Brotkrümel und folgen uns. Schnell akzeptieren sie unser Tretboot als ihre neue Mutter – eine Mutter, die ihre Kinder fast überfährt. Es ist nämlich nicht so einfach, das Boot zu steuern: Eine Servolenkung hat es nicht und die Pedale sind dicke Holzklötze. Die Tretbootfahrt trainiert nicht nur unsere Beine, sondern auch die Arme und den Geist, der wachsam sein muss, …

Fischers in Linden-Nord: Mexikanische Gemütlichkeit

Die Limmerstraße in Linden besticht durch kulinarische Vielfalt – und das Fischers überzeugt mit leckeren Tortillas und entspannter Atmosphäre. Wegen der gelb-beigen Fassade sieht das Fischers von außen aus wie eine urige Kneipe. Hinterm Tresen stellt man sich unweigerlich einen Manfred Fischer vor, der von früher fabuliert. Manfred raucht viel und gestikuliert mit gelben Fingern in der stickigen Luft herum. Er lacht hustend über seine eigenen Witze. Mit der Wahrheit hat das aber nichts zu tun: Das Fischers ist keine urdeutsche Kneipe – sondern ein charmanter Mexikaner, der auch von innen wie keiner aussieht. Hier bedienen keine Manfreds mit gelben Händen, sondern junge Menschen mit zarter Haut, die bestimmt in Linden leben und nebenbei ein bisschen studieren. Ein Mädchen trägt auf einem runden Tablett viel Bier herbei und balanciert die schweren Gläser über unseren Köpfen. Dann kracht das alles zusammen, scheppert und klirrt, und das Bier schwappt auf den Holzboden. «Mein erster Tag», erklärt sie und tupft mit Papiertüchern den besoffenen Boden ab. Im Fischers duzen sich alle, was ich toll finde. Am liebsten würde …

Junge Kunst im Centrum

Im Centrum am Lindener Markplatz gibt es Bier, Cheeseburger – und Kunst an den Wänden. Vier Wochen lang sind dort die Werke junger Künstler aus Hannover zu sehen und zu erwerben. Brrrrrrssccchhhhhhhhh: Auf dem Lindener Markplatz zischt eine Kompaktkehrmaschine entlang, sie macht sauber und viel Lärm. Zwei rotierende Bürsten schleudern den Müll von der einen auf die andere Seite. Gefaltete Packungen, platte Pappbecher und zerknülltes Zeitungspapier bilden zufällige Skulpturen ohne Aussage. «Kann das weg?», fragt der Müllmann. Die Tauben nicken. Wir sind mit Alessja verabredet, die bei den Jungen Sprengelfreunden arbeitet und sich für die junge Künstlerszene in Hannover engagiert. Sie will uns etwas über eine kleine Ausstellung im Centrum erzählen, dort zeigen junge Künstler ihre Werke. Für die gibt es in Hannover nämlich nur wenige Austellungsräume, sagt Alessja. Klar, es gibt die GAF – aber viel mehr eben auch nicht. Dabei ist die Künstlerszene verhältnismäßig groß, für eine Stadt wie Hannover. Und im Sprengel-Museum können die Künstler erst dann ausstellen, wenn sie sich einen Namen gemacht haben. Also hängen die Bilder, Fotos und Collagen …

Tesoro: Schatz in der Südstadt

Pasta, Saltimbocca und Tiramisu – wir genießen das süße Leben und verwöhnen unsere Gaumen im Tesoro an der Marienstraße. Wir sind spontan und gehen ins Tesoro. Mit etwas Glück bekommen wir einen guten Tisch, mitten im Geschehen, allerdings nicht an der großen Fensterfront. Das Restaurant ist elegant eingerichtet, die Bar leuchtet und taucht den ganzen Raum in lilafarbenes Licht. Der Chef kommt herbei. Erläutert die Wochenkarte, schaut dabei zu seinem Kollegen, der an der Bar Bier zapft. Italienische Worte fliegen durch die Luft, abbondanza!, dann der Hinweis an uns, dass es heute Pasta mit Trüffeln gibt. Für das Studium des restlichen Angebots bekommen wir zwei Speisekarten in die Hände gedrückt. Am Tisch an der Wand sitzt ein junger Mann. Er hat ein Date mit seinem Smartphone, streichelt es liebevoll und wiegt es in der Hand, schaut dem Telefon tief ins Display. Da knistert es, da funkt es: WLAN und LTE, fünf Balken. Am 2er-Tisch am Fenster sitzt ein Pärchen und betrinkt sich schweigend mit San Pellegrino. Ordern wir auch gleich. Am 4er-Tisch sitzen zwei Paare, …

Streifzug durch Hannover-City

Volle Fußballfans, glitzernde Glasscherben, punkige Pokémons – und es knallt. Ein Samstagnachmittag in Hannovers Innenstadt. Es ist Samstag und alles ist möglich. Himmel und Sonne schreien uns an, treiben uns nach draußen, wo die Stadt aus einem langen Winterschlaf erwacht. Auf den Straßen tummeln sich die Menschen, taumeln von Laden zu Laden. Auf dem Spielplatz um die Ecke toben Kinder mit Doppelnamen, während ihre Eltern verträumt in die Sonne schauen und sich von ihr zungenküssen lassen. Die Wärme auf der blassen Haut spüren. Wir pumpen unsere Räder auf und radeln in die Innenstadt, parken am Mezzo. Bei Penny ist’s voll, bei 25 Music ist’s voll, auf den Fußwegen ist’s voll. Und voll sind auch die Fußballfans, die zum Stadion wollen. Sie tragen Dönertaschen und Biere in den Händen, schieben ihre Bäuche durch die Menschenmenge, spielen nach vorn. Auf dem Boden glitzern Glasscherben. Auf dem Opernplatz entspannen Kinder, die einerseits wie Punks aussehen, andererseits wie Pokémons. Wir gehen durch den Tunnel neben dem Bahnhof, Richtung Innenstadt. Über uns donnern die Züge entlang, neben uns kracht ein …

Sonntags im Landesmuseum

Das Landesmuseum in Hannover ist besonders für Kinder ein großer Spaß – zumindest war es das für mich immer gewesen. Und wie sieht das heute aus? In der Vorhalle stehen zwei ältere Damen mit ihren Ehemännern, die mit verschränkten Armen auf Hilde warten, die noch ihren Mantel verstauen muss. Man überbrückt die Wartezeit redend, das schlechte Wetter dominiert die Konversation. Dann Krankheiten. Derweil toben drei Kinder umher, kreischend und kerngesund. Draußen benetzt leichter Regen die Wimpern. Es ist einer dieser trüben Sonntage, an denen man am besten im Bett bleibt – oder ins Museum geht. Also stehen wir jetzt hier. Stehen an, stehen hinter einer Frau, die hinter einem Mann steht, der hinter einer Frau steht, die mit dem Mann an der Kasse diskutiert. Ich weiß nicht, um was es geht, aber der Herr an der Kasse ist sichtlich bemüht, Contenance zu bewahren. Hinter uns spüren wir Unruhe und Ungeduld: Eine Frau mit Rollköfferchen will endlich ein Ticket kaufen.«Warum dauert das denn so lange?», murmelt sie genervt, zappelt hin und her, meine Güte, gehts denn …

La Cantina: Probier’s mal mit Gemütlichkeit

Wir lieben die spanische Küche – und Tapas lieben wir besonders. Also verschlug es uns ins La Cantina in der Oststadt. Der Slogan des «Tapas-Paradies» macht reizvolle Versprechen: «lecker, spanisch, günstig». Wir sitzen kaum, als Maria neben unserem Tisch steht. Vielleicht heißt Maria ganz anders, aber ich will sie nicht die Kellnerin oder Kellnerin #1 nennen. Jedenfalls möchte «Maria» wissen, was wir trinken möchten.«Sangria», verlangen die einen, «Tinto de verano», wollen die anderen. Dann wird es kompliziert, denn die 5er-Tischrunde ist sich nicht einig, ob das Wasser sprudeln soll oder nicht. Con gas, sin gas? Die Diskussion nimmt ihren Lauf, Vor- und Nachteile werden sorgsam diskutiert: Sprudel blubbert im Bauch, doch Stille lässt die Zunge kalt. Und Maria steht geduldig daneben und denkt: Diese Deutschen und ihre Diskussionen. Oder sie denkt ans Wetter, da draußen regnet es, wie den ganzen Tag schon. Maria seufzt. Sie trägt Turnschuhe und roten Lippenstift, ansonsten viel schwarz. Ihre Haare hat sie zu zwei Zöpfen geflochten und sie um den Kopf gewickelt.«Also, wir nehmen eine Flasche stilles Wasser und eine …

Bronze, Silber, Leinegold

Wir reisen ans Ende des Regenbogens und kehren im Leinegold ein. Doch ist dort wirklich alles Gold, was glänzt? Im 121er sitzen fast nur Paare, die in Papier verpackte Blumen und in Flaschen abgefüllte Weine dabei haben. Sie sind unterwegs zu anderen Paaren, um zusammen zu speisen. Wir haben keine Blumen dabei, aber Hunger. «Hunger kann man nicht dabei haben, Hunger ist ein Lebensgefühl», behauptet der Ehemann des Ehepaares, das uns gegenüber sitzt. Seine Frau hat kurze Haare, er einen langen Nachnamen: «Muss ich immer buchstabieren», nölt er. Alexa nickt. Sie kennt die Misere. Der Wagen hält. Am Thielenplatz treten wir in den eisigen Wind, der uns durch den Tunnel bläst. Im Leinegold sitzt dann schon eine halbe Stadtnotiz, die andere Hälfte hat der Wind verweht. «Hi», sagt Melanie. «Hi», sagt Alexa. «Hi», sage ich. Verlieben an der Bartheke Wir klettern auf die Sitzbank hinterm Hochtisch, jemand reicht uns die Speisekarten. Was zuerst: Cocktail, Bier, Fanta? Nudeln, Burger, Bruschetta? So viele Möglichkeiten, die wir erst mal studieren müssen. Meine Augen stolpern über die unvorteilhaft Schriftart …

Lust auf die Lister Meile

Nach Tagen ohne Sonne, aber mit Kälte, Wind und Schnee, knallt plötzlich ungewohnt warmes Licht in unsere Gesichter, brennt die Welt in unsere Netzhäute. Unsere Haut knistert und ist errötet, das Vitamin D strömt durch unsere Adern. Ein Hauch von Frühling ist das», sagen die Eichhörnchen, die auf unserem Balkon toben. Die können doch gar nicht sprechen, erinnere ich mich und gehe lieber wieder rein, in die gute Stube. Doch dort herrscht Unordnung. Also ziehen wir uns schnell an und steigen wenige Minuten später in die 8, Richtung Hauptbahnhof. Die Stadtbahn ist voll. Wir passen trotzdem noch rein – und der Kinderwagen mit zwei Kindern, Luftballons und Zirkuspony auch. Es ist so eng wie beim Gruppensex. Viele haben ihre fluffigen Winterjacken an. So ein schneller Wetterumschwung überfordert – eben lag noch Schnee! «Ist ja auch neu gekauft, der Mantel», erklärt eine ältere Frau unaufgefordert. «Ist das echter Pelz?», fragt Alexa und zupft am Fell der Frau. «Aber natürlich, junge Dame, das ist echtes Eichhörnchen.» «MÖRDER!», brüllt Alexa und kna— Wir sind am Hauptbahnhof angekommen und …

Meteora: Gyros, Suflaki – oder beides?

Wer dieses Blog aufmerksam liest, wird unsere Vorliebe für Pizza und Salate bemerken. Doch wir können auch anders: An einem verschneiten Sonntagabend haben wir uns auf den Weg nach Hannover-Mitte gemacht, um das Meteora zu besuchen – ein Grieche, von dem die ganze Stadt schwärmt. Ein eiskalter Gegenwind schneidet in unsere Gesichter. Die letzten Meter sind die schlimmsten. Es ist kurz nach 18 Uhr, das Meteora hat seit eben geöffnet. Wir sind pünktlich wie zwei Rentner, die morgens um 7:59 Uhr vor dem Edeka stehen und die allerersten sind. Im Meteora sitzen aber schon andere Paare, die noch hungriger und pünktlicher als wir waren. Rechts von uns diniert ein dicker Mann mit seiner Frau. In seinen Nackenfalten glänzt der Schweiß. Essen ist anstrengend, kostet Kraft. Seine Ehefrau ist sehr blond, sie würde rauchen, wenn sie dürfte. Die beiden sind jeden Sonntag hier, sie haben einen Stammplatz. Daneben sitzt ein junges Paar, das sehr langweilig ist: Sie gehen manchmal zu IKEA, gucken abends VOX. Huch, das sind ja wir. Wir sitzen am Kamin, der aus ist. …

Luft, Liebe und Pizza bei Francesca & Fratelli

Außer auf der Limmerstraße gibt es neuerdings auch in der Nähe der Altstadt ein Francesca & Fratelli. Wir haben uns von der Pizza-Manufaktur anlocken lassen. Ihr könnt euch irgendwo dahinten hinsetzen», sagt ein junger Mann mit schwarzen Haaren und braunen Augen; vielleicht ist er Fratelli*, überlege ich. «Bis 20 Uhr ist der Tisch frei.» Es ist Samstag, kurz vor 18 Uhr. Wir haben eine kleine Shopping-Tour durch Hannovers Innenstadt hinter uns, und jetzt sind wir hungrig und durstig und geschafft. Wir entscheiden uns für zwei Plätze an einer der langen Tischenreihen. Hier steht Tisch neben Tisch, Stuhl neben Stuhl. Im Francesca & Fratelli sitzen Fremde neben Fremden. Am Tisch an der Wand sitzt ein Ehepaar. Sie haben beide studiert und lesen viel. Der Mann trägt eine runde Brille, er unterrichtet Deutsch und Philatelie am hiesigen Gymnasium und seine grauen Haare sind ein bisschen struppig vom vielen Nachdenken. Seine Frau nennt ihn deshalb gerne «Struppi» und schlürft am Weißwein, dann begrüßen sie uns einstimmig: «Guten Abend!» Wir sind an Tisch 11 gelandet, neben uns sitzen das …

Meine Pizza in Linden-Süd: Mio Mio!

Eigentlich wollen wir ins Napoli in der Deisterstraße, doch dort speist eine geschlossene Gesellschaft. Also reservieren wir ein paar Häuser weiter einen Tisch im Mio Mio, wo wir unsere Gaumen mit Pizza verwöhnen. Mit der 9 rumpeln wir zum Schwarzen Bären, verspätet natürlich, und zusammen mit angetrunkenen Fußballfreunden. Eilig huschen wir über die Straße und betreten noch schnell die Spielothek, um das nötige Trinkgeld zu erspielen. Fünf Minuten später erreichen wir das Mio Mio, wo schon die beiden Stadtschreiberinnen Rebecca und Melanie auf uns warten.«Hi», sage ich.«Hi», sagt Rebecca.«Hi», sagt Alexa.«Hi», sagt Melanie. Das Mio Mio lebt, lacht und leuchtet. Wir haben einen Tisch reserviert und nehmen in der Ecke des kleinen Lokals Platz, direkt vor dem Regal mit den vielen Weinflaschen. Auf dem Tisch liegen als Tischdeckenersatz die Speisekarten, die ich eigentlich gar nicht zu lesen brauche. Ich weiß schon, was ich will: Pizza! (Laut HAZ sind aber auch das Rumpsteak und die Ravioli gut.)«Was darf’s sein?», fragt die Kellnerin und notiert unsere Wünsche auf einem kleinen Notizblock. Das ist irgendwie charamant in Zeiten …