Autor: Daniel

Astor Grand Cinema: Füße hoch, Film ab!

Normalerweise klebt der Boden so sehr, dass beim Gehen die Schuhe kleben bleiben und man in Socken zum Klo laufen muss. Im Astor Grand Cinema klebt der Boden nicht. Das Kino ist allerdings recht neu, weshalb noch nicht so viele Besucher die Gelegenheit hatten, ihre Cola zu verschütten. Das Astor macht das richtig, was andere Kinos falsch machen: So gibt es beispielsweise eine Garderobe. Dabei ist das eine schlaue Einrichtung – denn so müssen wir nicht auf zerknitterten Jacken sitzen. Als ich unsere Jacken abgeben will, schaut mich das Garderoben-Mädchen allerdings skeptisch an. Sie will mein Ticket sehen, das ich gerade nicht bei mir habe. «Meine Begleitung hat es in der Handtasche und die Handtasche begleitet meine Begleitung», erkläre ich die Situation. «Junger Mann, als Gentleman hätten Sie Ihrer Freundin die Handtasche doch abnehmen müssen!», tadelt eine anwesende Oma, der die Herrenhandtasche ihres Mannes an der Schulter baumelt. «Es ist zu spät jetzt», sage ich. «Sie haben doch Ihr ganzes Leben noch vor sich.» Nur mit einem gültigen Ticket ist die Garderobe umsonst, erklärt das …

Poetry Slam zwischen Gebüschen

Nicht das Wetter zog uns neulich in die Herrenhäuser Gärten – sondern eine Kulturveranstaltung: Zum ersten Mal fand der Poetry Slam von Macht Worte! zwischen gestutzten Gebüschen und goldenen Skulpturen statt. Zwei Stunden vor der eigentlichen Veranstaltung durften wir schon durch die Gärten lustwandeln, das war im Preis enthalten. Wir hatten eine Decke dabei und unser Abendbrot. Ein bisschen rechnete ich damit, dass der Wächter am Eingang sagen würde: «Euer Picknickkorb muss aber draußen bleiben.» Doch der Mann scannte nur unsere Tickets und ließ uns passieren, dann legte er sich wieder schlafen. An unsere Fersen hatten sich drei älteren Damen geheftet, ich werde sie folgend als Omas bezeichnen. Sie hatten drei Sitzkissen dabei. Die gehen bestimmt auch zum Slam, dachte ich und sagte: «Die gehen bestimmt auch zum Slam.» «Aha», sagte Alexa. Egal, welche Wegen wir auch einschlugen, die drei Omas tauchten immer wieder hinter uns auf. Oder vor uns. Neben uns. Sonst war niemand zu sehen. Nach einer Weile fanden wir einen schönen Platz auf einer Wiese, zwischen zwei Bäumen. Wir breiteten unsere Decke …

Joggen in Hannover: Läuft bei uns!

Läufern bietet Hannover als «Stadt im Grünen» viele Möglichkeiten, sich die Beine zu vertreten. Und wo keine Autos fahren, macht das Laufen richtig Spaß. Meine Lieblingsstrecken führen aber auch über Betonwiesen, über Asphalt – und vorbei an gefährlichen Bestien. Eilenriede Die Sonnenstrahlen fallen durch das Blattwerk, das im Wind raschelt. Und es duftet nach frischem Holz und nach feuchter Erde. Der Stadtwald ist wohl der Klassiker unter den hannöverschen Laufstrecken. Hier laufen sie alle: Menschen mit ihren Hunden, Opas mit ihren Falten und ich mit vielen anderen. Ich liebe es, die schmalen Waldwege zu nehmen, die sich zwischen den Bäumen hindurchschlängeln. Und dann liegt da ein umgefallener Baum im Weg, mit einem struppigen Eichhörnchen drauf. Offenbar sind in der Eilenriede diverse Laufstrecken ausgeschildert und markiert, darunter eine Halbmarathon-Strecke und eine kleinere Runde, die nur fünf Kilometer lang ist. Ich muss zugeben, dass ich diese Runden nie gelaufen bin und nie auf irgendwelche Markierungen geachtet habe. Ich laufe lieber drauflos, verirre mich und renne statt der geplanten acht dann halt vierzehn Kilometer. Gruselig ist’s, wenn komische …

Was fehlt: Eis-Café am Maschsee

Das Maschseefest ist vorbei und Jogger und Radler dürften sich freuen: Denn die vielen Buden sind abgerissen und weggefahren. Die Wege sind also wieder frei für Läufer, Gassi-Geher und Zweirad-Pendler. Der Abriss ist eigentlich schade, denn so manche Bude würde ich gern länger am Ufer des Maschsees sehen. Viel los ist da nämlich nicht, wenn das Fest vorbei ist. Einerseits ist das toll, weil man seine Ruhe hat und auf einer Bank sitzen und lesen kann. Andererseits ist es doch erfreulich, wenn etwa der Frioli-Wagen am Maschsee parkt und Eis verkauft. Ich renne dann hin, übersehe den angeklebten Hinweis-Zettel, und bestelle genau die drei Eissorten, die auf dem Zettel als ausverkauft aufgelistet sind. «Volltreffer», sagt der Eismann und ich nehme halt drei Kugeln Schoko. Streusel für Langschläfer Zwar gibt es am Maschsee das Pier 51. Doch das will beides sein: Café und Restaurant. Das klappt nur mittelgut, denn im Laufe des Tages muss sich das Pier verwandeln – was sich negativ aufs Kuchen-Management auswirkt. Am Nachmittag gibts halt nur noch Streuselkuchen. Spätaufsteher, die erst am …

Da Toni: Pizza auf Rädern

Wenn wir nicht zur Pizza kommen, kommt die Pizza halt zu uns – per Lieferservice! Doch kann eine gebrachte Pizza unsere verwöhnten Gaumen zufrieden stellen? Ein lazy Sunday neigte sich seinem Ende entgegen und unsere Mägen knurrten so laut, dass die Nachbarin klingelte und besorgt nachfragte, ob wir Bären in der Wohnung halten würden. Das sei nämlich nicht erlaubt. «Ich möchte auch ein flauschiges Bärenbaby haben», erzählte die Nachbarin. «Aber ich darf nicht.» «Nein, Frau Dings, das Knurren kommt aus unseren Bäuchen und nicht aus irgendwelchen Bären», erklärte ich. Wir waren viel zu schwach, um zu kochen oder raus zu gehen. Glücklicherweise hatte uns Alexas Freundin Julia den Bringdienst da Toni empfohlen. Der würde gute Pizzen liefern, hatte Julia behauptet. Und wir glaubten ihr, denn Julia macht einen vertrauenswürdigen Eindruck. Also schaltete ich unser Modem ein, es kreischte, und schon nach zwei Tagen waren wir online. Auf der Website von da Toni fanden wir eine Speisekarte als PDF-Dokument, ich entschied mich für #278 Emanuele mit Mozzarella, Kirschtomaten, Rucola und gehobeltem Parmesan. Alexa nahm eine Pizza …

Stadtbummel und Stammkreipe

Manchmal wünsche ich mir, dass es den ganzen Samstag lang regnet – dann müsste ich nicht vor die Tür und könnte einfach im Bett liegen bleiben oder auf dem Sofa. Mal die Zeitung komplett lesen, sogar den Wirtschaftsteil. Doch an jenem Samstag schien die Sonne gnadenlos und trieb uns ins Freie. Mit dem Rad fuhren wir in die Innenstadt, um Produkte zu erwerben. Bei 25 Music hatte ich ein bisschen Glück, weil sie dort die neue LP von Jamie xx vorrätig hatten. Der Schallplatte lag auch eine CD bei – zwei obsolete Datenträger zum Preis von einem! (Der Musikliebhaber denkt nun: Vinyl ist obsolet?! Du Banause!) Nach einem kurzen Abstecher zu Zweitausendeins, wo ich noch ein Buch über Pablo Neruda erstand, schlenderten wir in Richtung Lister Meile und machten eine Kaffee- und Kuchenpause in der Konditorei Kreipe, einem Café das irgendwie auch Coffee Time heißt. Nerudas Gedichte dienten mir zeitweise als U-Bahn-Lektüre – allerdings ist die U-Bahn nicht der beste Ort für Liebeslyrik. Wespen sind Arschlöcher «Ich finde es komisch, wenn Leute nicht lesen», erzählte …

Maschseefest: Mangozella und Pommes-Becher

Döner, Garnelen und Mangozella: An den Ufern des Maschsees bieten zahllose Buden eine kulinarische Vielfalt, die Münder befeuchtet und Mägen aufheulen lässt. Eindrücke vom 30. Maschseefest. Es ist Samstag und die Sonne schleudert ihr warmes Licht durch das raschelnde Blattwerk der Bäume. Am Himmel verdirbt keine einzige Wolke den Anblick. So offenbaren sich dem aufmerksamen Betrachter viele Postkartenmotive – denn auf dem Maschsee schwimmen auch noch Schwäne. Wir starten am Pier 51 und machen uns auf den Weg zum Nordufer, wo sich das Epizentrum des Maschseefests befindet. Es duftet nach Pommes, Currywurst und dann auch nach Fisch, weil wir Gosch erreicht haben. Hier machen wir unseren ersten Halt. An einem der Hochtische sitzen Eheleute, die schon seit Ewigkeiten ein Paar sind. Sie sitzen sich schweigend gegenüber, aber ihre Blicke gehen ins Leere. Manchmal nippt der Ehemann an seinem Bier, das in der Sonne goldig funkelt. Dann nimmt er seine Arbeit wieder auf und schaut weiter in die Luft. Die Ehefrau mustert kurz ihren Ehemann und vergewissert sich, dass er noch existiert. Für ein Pappschälchen Scampis …

Pier 51: Kaffeepause auf dem Maschsee

Das Pier 51 liegt direkt am Maschsee und bietet einen tollen Blick auf das Wasser und die dicken Karpfen. Nachmittags gibt es hier Kaffee und Kuchen und abends eben Abendbrot. Doch es ist nicht so einfach, einen Tisch im Pier zu bekommen. Das Pier und wir hatten nicht den besten Start: Als wir uns das erste Mal zum Maschsee aufmachten, um dort zu essen, hatte das Restaurant leider geschlossen. Das passierte uns zweimal – einmal davon sogar an einem Samstagabend. Die Location ist nämlich für Hochzeiten und Partys sehr beliebt. So bleibt das Pier 51 regelmäßig geschlossenen Gesellschaften vorbehalten. Bevor du also spontan losläufst, um am Maschsee zu speisen, solltest du auf die Website des Pier 51 schauen – auf ihr steht, wann privat gefeiert wird. Anschließend solltest du zu einem Gott deiner Wahl (oder Sartre) beten, dass der mobile Eiswagen des Frioli am Maschsee-Ufer parkt und sein leckeres Eis verkauft. Ich empfehle Haselnuss. Sonntag mit Sonne Als es uns eines Sonntagnachmittags dann tatsächlich gelungen war, im Pier 51 einzukehren, waren wir allerdings so spät …

Stadtflucht: Ausflug ans Steinhuder Meer

Nicht weit von Hannover entfernt liegt ein kleines Meer. Wir sind dorthin unterwegs, gleiten über die Autobahn. Auf der A2 krachen wir zwischen schlingernden LKW in Richtung Nord-West – und stehen dann auf dem Standstreifen. An der Ausfahrt staut es sich. Vor uns ein Müllauto, hinter uns ein Choleriker, der Geister beschimpft und fast durchdreht. Vielleicht muss er dringend pinkeln, vielleicht wartet seine Affäre auf ihn. Dass er jetzt aufgehalten wird, kotzt ihn richtig an. Falling Down. Dann drängeln sich zwei Omas in ihrem Opel zwischen den Choleriker und uns. Er verschwindet. Langsam bewegen wir uns vorwärts, Meter für Meter in Richtung Meer und kommen irgendwann in Steinhude an. Das Parken am Steinhuder Meer kostet überall Geld, außer in der Innenstadt – aber da dürfen nur Kurzparker halten. Wir wollen Stunden am Wasser verbringen, also müssen wir zahlen. Doch der Parkscheinautomat versteht nur Kleingeld – und die Geldkarte. «Geldkarte» klingt wie «Telefax». Und wie die meisten Deutschen haben wir keinen Cent auf den Chip geladen, der jede EC-Karte veredelt. «Alexa, lass doch mal deinen Charme …

Strandbad am Maschsee, schwimmen im Maschsee

Am Himmel spendete keine einzige Wolke Schatten, alles war hell erleuchtet. Also suchten wir unser Badezeug, schlüpften hinein und fuhren zum Südufer des Maschsees, wo sich das Strandbad befindet. Am Eingang war zunächst niemand zu sehen und es kribbelte in meinen Beinen, einfach reinzulaufen, um den Eintritt zu sparen – aber das gute Gewissen beobachtete uns in Gestalt zweier Mädchen, die mit tätowierten Beinen am Eingang standen und willig waren, zu zahlen.Tattoos verblassen und verlaufen, stellte ich fest, während ich versuchte, die Motive zu erkennen, die sich die beiden jungen Frauen ins Beinfleisch hatten stechen lassen.Ein Panzer, ein Totenkopf?Nein, dazu waren die Mädchen zu filigran, zu harmlos; das waren zwei, die Taylor Swift hören – was immer das jetzt heißen soll.Jedenfalls zahlten wir knapp fünf Euro Eintritt für uns beide. (Rabatte gibt’s für uns erst wieder, wenn wir in Rente gehen. Also nie?) Pralle Sonne,blasse Körper Vor uns erstreckte sich eine große Wiese ohne Bäume, ohne Schirme. Nur verbranntes Gras in der prallen Sonne, die blasse Körper briet. Rote Bäuche, rote Gesichter und dazwischen ein …

Toni: Pizza lieber ungewöhnlich

Birne auf Pizza, das klingt nach einer ungewöhnlichen Idee, vielleicht nach einer schlechten. Sowieso setzt Pizza Toni auf Ungewöhnliches: Statt Tomatensoße ist der Teig mit Crème fraîche bestrichen, zwischen getrockneten Tomaten liegen Walnüsse. Schmeckt das? Einen wie mich, der mit einer einfachen Margherita schon zufrieden ist, kostet die ungewöhnliche Auswahl ein wenig Überwindung. Ich stehe vor dem Tresen, vor mir liegen halbierte und geviertelte Pizzen. Bezahlt wird bei Toni nach Gewicht, «wie in Italien». Man kann auch ein kleines Stück mitnehmen, auf die Hand, ein Slice, wie es sie in New York an jeder Straßenecke gibt. Ich nehme schließlich eine halbe Birnen-Pizza und eine halbe mit Spargel und Schinken, weil ich nicht langweilig sein will. (Später fällt mir ein, dass ich gar keinen Spargel mag, jedenfalls nicht so gern.) Der Pizzabäcker schneidet die Pizza durch und schiebt die Stücke in den Ofen; leider kein Steinofen, sondern einer aus Metall. Wenige Minuten später ist alles fertig und ich bezahle für die beiden Pizzastücke und zwei Softdrinks knapp 18 Euro. Wir sitzen draußen, obwohl der Himmel zwischendurch …