Autor: Daniel

Leinau3: Veggie-Burger mal drei

Das kulinarische Angebot auf der Limmerstraße ist groß und umfangreich – doch an vielen Tischen sitzen schon viele Leute. Wo werden wir nur satt? Auf der Limmerstraße ist viel los, Radfahrer überholen die #10 und die #10 überholt einen Trinker, der einhändig eine Bierdose öffnet. Halber Liter vom Rewe. Er kippt einen ordentlichen Schluck auf die Straße, «das bringt Glück», meint er. Den Rest schüttet er sich in die Speiseröhre, das gluckert, lecker, lecker. Wir sind mehr hungrig als durstig und wollen ins Fischers. Dafür brauchen auch wir eine Menge Glück, denn wir haben nicht reserviert. Und es ist Samstagabend. Und unsere Chancen, einen Tisch für drei zu kriegen, sind schlecht, schlecht. «Wir sind ausreserviert», sagen uns die Fischers Fritzen dann auch. Auf den Stühlen liegen ausgebreitete Handtücher und an der Bar wollen wir nicht sitzen. Also weiter, wieder raus auf die Limmerstraße, wo der Trinker seine zweite Dose aufreißt. Dem geht’s richtig gut heute. Neu in Linden: Das Leinau3 Auf der anderen Straßenseite fällt unser Blick aufs Leinau hoch drei (oder: Leinau3, Leinau³), das …

Japanische Teezeremonie: In Ruhe schlürfen

Entspannen, den Geist zur Ruhe kommen lassen – und dabei Matchatee schlürfen: Wir waren bei einer japanischen Teezeremonie dabei, die regelmäßig im Stadtpark Hannover durchgeführt wird. Einatmen. Mein tägliches Teetrinkritual ist sehr simpel: Teebeutel in die Tasse plumpsen lassen, heißes Wasser drüber – fertig. Japaner lassen sich für den Teegenuss mehr Zeit, viiiel mehr Zeit. Fünf Stunden kann eine traditionelle Teezeremonie schon mal dauern. Die Teetrinkenden sollen die Zeit vergessen und sich sich entspannen, sich voll und ganz auf sich und den Tee konzentrieren. Ausatmen. Klingt verlockend, diese Langsamkeit! Also buchen wir eine Teezeremonie für Einsteiger, die ist auf zwei Stunden angesetzt und findet in einem kleinen Teehaus im Stadtpark Hannover statt. Das Häuschen ist ein Geschenk von Hannovers Partnerstadt Hiroshima. Heute dient das Teehaus als Kulisse für japanische Teezeremonien – übrigens einzigartig in Hannover. Teezeremonie im Stadtpark Es ist ein unruhiger Tag im Spätfrühling. Ein bisschen Sonne, ein bisschen Regen, viel Wind. Wir brechen zu spät auf und eilen zum Stadtpark. Das mit der Entspannung und Langsamkeit fängt ja gut an! Wir irren eine …

Lieb.es: Salate in der Nordstadt speisen

Wir verlassen die Südstadt und gehen fremd mit der Nordstadt. Auf dem E-Damm flanieren wir im Gegenwind und speisen im Lieb.es – dem neuen Ableger vom Love It Healthy. Die Böen können sich nicht entscheiden, kommen mal von vorne, mal von hinten, schieben uns weg, schieben uns an. Mit großer Freude zerfetzt der Wind unsere Frisuren und weht Eiskugeln aus Eisbechern. Kinder weinen, Mütter trösten. Wir sind trotz Gegenwind rasant unterwegs, denn wir haben einen starken Antrieb: Hunger! Mit letzter Kraft erreichen wir die Nordstadt, den E-Damm, das Lieb.es. Draußen ist die Sonne gerade hinter den Häusern verschwunden, also gehen wir rein, da ist es immerhin windstill. Die Bedienung begrüßt uns auf netteste Art und Weise. Wären doch alle Menschen so lieb und freundlich, zum Beispiel Taxifahrer, Polizisten und Politiker … Wir schauen nach dem besten Platz, doch auf dem sitzt schon Alina, der das Lieb.es und das Love It Healthy gehören. Sie kriegt hier alles umsonst, denke ich. Wir sitzen dann ganz hinten auf dem Sofa, dem zweitbesten Platz im Lieb.es. Die Einrichtung ist rustikal …

Abends im Buchladen

Hugendubel hat uns eingeladen, einer Lesung beizuwohnen. Sebastian Krumbiegel las aus seinem Buch vor – und wir liehen ihm unsere Ohren. Doch nicht jedem gefiel, was der Prinzen-Sänger zu sagen und zu singen hatte. Es ist zehn vor acht und die besten Plätze sind schon weg. Alexa muss ein Kochbuch kaufen – sie hat erst hundert, also stehen wir noch vor dem Bücherregal. Während Alexa stöbert, kommen immer mehr, die zur Lesung wollen, und besetzen die letzten Plätze. Ich sehe uns schon stehen. «Das hier hat schöne Bilder», murmelt Alexa und blättert verträumt in einem der vielen, vielen Kochbücher. Meine Güte – wer soll all die Rezepte nur kochen? Und wer soll das alles essen? «Das nehme ich», sagt Alexa und trägt stolz ein veganes Kochbuch zur Kasse. Hannover rules! Auf einigen Stühlen liegen laminierte Papiere, auf denen RESERVIERT steht. Die sind noch frei. Jetzt möchte ich mal einer sein, der sich so einen Platz einfach schnappt. Wir sitzen dann ganz hinten, fast ganz hinten – hinter mir sitzt noch eine kleine Frau, und ich …

Sparen in Hannover: Pssst! und Der kleine Reibach

Der kleine Reibach und Pssst Hannover!: zwei Gutscheinbücher mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Während der Reibach mehr was für kulinarische Entdecker ist, bietet Pssst vor allem kleine Rabatte für Hannovers charmante Geschäfte. Wir sind beim Griechen, im Meteora, und der Kellner steht am Tisch. Etwas verstohlen zeigen wir ihm einen Gutschein, den wir mit unserer Bastelschere aus dem kleinen Reibach ausgeschnitten haben. Der Kellner hält den Schnipsel in der Hand und schaut uns an. Als jemand, der ständig darüber nachdenkt, was andere über mich denken, denke ich auch jetzt: Was denkt der Kellner über uns? Denkt er: Diese Zahnpastatubenausdrücker, diese Energiesparlampen, diese völlig verarmten Pfennigfuchser? Nö. Wahrscheinlich denkt er: «Heute Abend gucke ich drei Folgen Gilmore Girls, in der Badewanne – why not?» Der Kellner legt den Schnipsel wieder auf den Tisch, grinst und sagt: «Das machen wir nachher.» So lief das immer, wenn wir den Kellnern unsere ausgeschnittenen Gutscheine zeigten. Die kennen das natürlich und freuen sich (hoffentlich) über neue Gäste, die mit etwas Glück zu Stammgästen werden. Und wir haben ein paar Euro gespart, die …

Knabberzeit: Wenn Fische kitzelige Füße küssen

Fischpediküre in der Südstadt: In der Knabberzeit «küssen» kleine Fische große Füße. Ist das auch für Kitzelige geeignet? Wir haben den Test gemacht! Die Zeit steht still in der Knabberzeit: Es ist immer zehn nach zehn. Die Wanduhr haben Aleksej Sartison und sein Team während der Renovierungsarbeiten übersehen – jetzt steht die Zeit halt still. Das ist nicht weiter schlimm: Die Knabberzeit soll ein Raum «zum Wohlfühlen und Entspannen» sein – eine tickende Uhr würde da nur stören und an den Zahnarzt-Termin am Montag erinnern. Ich bin trotzdem nicht entspannt, sondern sogar aufgeregt, ein bisschen – denn gleich werden Dutzende kleine Fische meine Füße «küssen». Und ich bin der kitzeligste Mensch der Welt, bestätigt durch das Fresinius-Institut. Wie soll ich das also aushalten, wenn viele Fische ausgerechnet an meinen Füßen knabbern? Wie? Das will ich jetzt wissen. Vor mir steht ein großes Aquarium, blubbernd und schön beleuchtet. Ich bin bereit. Vielleicht. Meine Zehen schweben über dem Wasser, ich bin Jesus. «Jetzt tunk schon!», ruft Alexa ungeduldig. Also tunke ich zaghaft meine großen Zehen hinein, gefolgt …

MuseumsCard: Die Museums-Flatrate für Hannover

Für 60 Euro ein Jahr lang viele Museen in Hannover besuchen – das ermöglicht die neue MuseumsCard. Doch lohnt sich die Flatrate für wissensdurstige Stubenhocker? Museen sind super: Wenn draußen die Sonne brennt und Menschen über ihre Socken luftige Sandalen schieben, gehe ich gern ins Landesmuseum. Da ist es kühl und leer, weil alle anderen im Freibad liegen. Und auch jetzt, wenn es gar nicht richtig hell wird, sondern maximal grau, sind Museen herrliche Orte der Zuflucht: Es ist warm, das Licht ist schön und es gibt oft Tee und Kuchen. Und interessante Ausstellungen gibt es ja auch noch zu sehen: düstere Gemälde, alte Sachen, Moorleichen, Hitler, Figuren, Dinos – und dieser eine Fisch, der dir tief in die Seele blickt und in einem Augenblick alles über dich weiß. Museums-Jahreskarte Für Museums-Hopper und Flatrate-Fans gibt es jetzt die MuseumsCard: Sie bietet ein Jahr lang freien Eintritt in die acht größten Museen von Hannover – darunter das Landesmuseum (Steine und Knochen), das Historische Museum (He-Man-Kassette), die Kestner-Gesellschaft (Kunst), das Sprengel-Museum (noch mehr Kunst) und das Wilhelm-Busch-Museum …

Hinter den Kulissen von Ikea Hannover

Seit zehn Jahren gibt es Ikea auch in Hannover. Zur Feier des Tages durften wir einen Blick hinter die Kulissen des Möbelhauses werfen – und Kuchen essen. Auf dem Asphalt stehen vier große Kartons und daneben stehen Elfi und ihr Mann Theodor. Sie schauen ihr Auto an, als sähen sie es zum ersten Mal. Theodor war sich doch so sicher gewesen, dass die neuen Möbel «locker ins Auto passen» würden! Und jetzt stehen sie da mit ihrer neuen Kommode und ihrem kleinen Lupo. Wir parken gegenüber, steigen aus und merken uns «C1». Theodor bricht in Tränen aus, er ist ein dramatischer Typ, den alles aus der Fassung bringt. Wir gehen schnell rein, die roten Lettern weisen uns den Weg: eingang. Auf der Rolltreppe stehen wir hinter Pärchen, die sich umarmen und knutschen. Ein Ikea-Besuch ohne Partner (aber mit Mutti) war immer ein bisschen unangenehm, weil die anderen so glücklich und verliebt und verschmust schienen. Gemeinsam haben sie sich ihr erstes Bett ausgesucht, die passende Matratze – und ein paar Blumen, Decken, Untersetzer, Gläser, Teppiche. Und …

Eliniko: Griechisch schlemmen in der Südstadt

An einem Abend im Spätsommer tafeln wir im Eliniko in der Marienstraße. Der «innovative Grieche» verspricht «erlesene Speisen». Ein verlockendes Versprechen. Feierabend, wir sind frei. Es ist Spätsommer und die Sonne steht tief am Himmel und erinnert uns, dass bald die Bäume ihre Blätter verlieren werden, wenn eisige Winde wehen. Weil ich Geburtstag habe, darf ich mir das Restaurant fürs Abendessen aussuchen. «McDonald’s!» «Nein», sagt Alexa. «Burgerk–» «Nein.» Am Ende fällt die Auswahl auf das Eliniko in der Marienstraße, denn nach Pommes und Burger mag ich Pommes und Gyros am liebsten. Der «innovative Grieche» verspricht ein «wunderbares Ambiente» und «erlesene Speisen». Mir ist einfach nur nach Gyros und Suflaki – ich bin halt ein einfaches Gemüt. Im Eliniko gibt es aber auch ausgefallenere Sachen, die mit Fleisch zu tun haben. Aber auch Vegetarier sollen im Eliniko satt werden – das beruhigt Alexa, die manchmal mit dem Veganismus liebäugelt und sich viel, viel gesünder ernährt als ich. (Kein Wunder, dass Frauen viel älter werden als Männer. Immerhin rauche ich nicht und trinke selten Bier. Esse dafür …

Boca Chica: Karibisches Abendessen

Im Boca Chica wollen wir unsere Geschmacksnerven mit «karibischen Köstlichkeiten» verwöhnen. Wir fahren durch den dichten Verkehr in die Innenstadt. Unser Ziel ist das Boca Chica in der Calenberger Neustadt. Das Restaurant liegt in der Oeltzenstraße, eine Seiteneinbahnstraße, die von der Königsworther Straße abgeht. Gekonnt zirkelt Alexa ihren Opel in eine schmale Parklücke. Wir steigen durch den Kofferraum aus. Die Sonne scheint schön in die Straße, alles ist goldig. Vor einem Hauseingang sitzen ein paar SoWi-Studenten in weichen Sesseln und essen Pizza direkt aus dem Pappkarton, trinken Wein aus dem Tetrapak. So lässt sich das Leben aushalten. Wir winken und gehen weiter. Im Boca Chica ist noch nicht viel los: Drinnen sitzen nur ein Mann ohne Haare und seine Frau ohne Frisur. Verträumt schauen sie aus dem Fenster. Geweitete Pupillen, schweifende Gedanken. Wie gern sie doch wieder Studenten wären. Wir setzten uns nach draußen, das angekündigte Gewitter ist vorbeigezogen. Nur der Wind frischt etwas auf und rüttelt die Sonnenschirme kräftig durch. Es regnet kleine Ameisen, die hoch hinaus wollten. Alexa wählt Verdura a la Mexico …

Ein Nachmittag auf Schloss Marienburg

Auf in die Region Hannover: An einem Sonntag im Spätsommer schlürfen wir Kaffee im Schlosshof der Marienburg. Auf dem Marienberg thront das Schloss Marienburg, in der einst Marie lebte, die Frau von Georg Nummer 5. Der hat ihr das Schloss damals zum 39. Geburtstag geschenkt. Doch als Marie ihrem Liebsten zu Weihnachten nur gepunktete Socken schenkte, ging Georg beleidigt ins Exil nach Österreich. «Ich schenkte dir ein Schloss, holde Maid, und du gibst mir ein Paar lumpige Socken?!», schrie er und fuhr sodann davon, in der Kutsche, zum Bahnhof. Und sie lebten getrennt bis ans Ende ihrer Tage. Hundert Jahre später. An einem sonnigen Sonntag kommen wir auf dem Marienberg an, mit dem Auto, andere nehmen das Fahrrad, gehen zu Fuß. Das letzte Mal war ich als Kind hier oben, vor zwanzig Jahren, und irgendwie sieht es noch immer so aus wie früher. Auf dem Waldboden liegen Bucheckern– «Hör auf, in Nostalgie zu schwelgen und komm!», ruft Alexa ungeduldig. Also laufen wir geschwind zum Schloss, das heute beliebtes Ausflugsziel in der Region Hannover ist und …

Frühstück im Familien-Café rockzipfel

Im Café rockzipfel dürfen Kinder toben, kreischen, spielen – und niemand guckt genervt. Wir wagen uns hinein, obwohl wir keine Kinder haben. Zum zweiten Frühstück kehren wir heute im rockzipfel ein, das sich klein schreibt, denn das charmante Café begrüßt auch kleine Gäste mit offenen Armen. Für Kinder gibt es drinnen eine Art Gehege, in dem sie toben können, während sich die müden Eltern mit starkem Kaffee in den Tag pushen. Draußen steht noch eine kleine Rutsche – und am Eingang steht Luisa-Maria-Sophie im bunten Kleid und mit langen Zöpfen. «Mamaaa, kommaaa», ruft sie und trippelt zaghaft ins Café mit ihrem Roller. Dann hilft sie ihrer kleinen Schwester, die kaum laufen kann, weil sie hart gefeiert hat und jetzt einfach nur einen Kaffee braucht, schwarz, und dazu das «Hausboot»-Frühstück mit Lachs. Ich entscheide mich fürs «klein & süß» (4,90€) plus Ei (80 Cent), weil ich 1.) schon ein bisschen vorgegessen habe, heute Morgen, weil ich mit leerem Magen nicht funktioniere, und 2.) weil das Frühstück halt süß sein muss. Bin ja kein Italiener, oder so, …

Kaffee-Seminar: Interessiert uns die Bohne!

Der Siebträger brummt und pullert herrlich duftenden Kaffee in die Tasse. Doch wie wird aus der Bohne eigentlich das beste Getränk der Welt? Und woran erkennt man wirklich guten Kaffee? Um mehr über Kaffee, seine Röstung und Zubereitung zu erfahren, fahren wir nach Burgdorf. Die Hannoversche Kaffeemanufaktur hat uns dort zu einem Kaffee-Seminar eingeladen und verspricht eine «kulinarische Genussreise durch die Welt des Kaffees». Auf weiten Weiden grasen gut frisierte Pferde; auf dem Feldweg hüpfen winzige Frösche über pummelige Käfer. In Hannovers Umland ist die Welt noch in Ordnung. «Aber es riecht komisch», sage ich. «Ach, das ist die Natur!», flötet Alexa beschwingt und umarmt noch schnell einen klebrigen Baum. Dann betreten wir die Kaffeemanufaktur, wo es durch die warmen Farben sofort gemütlich wirkt. Und es duftet viel besser als da draußen, nämlich nach Kaffee. Wir setzen uns an einen rustikalen Tisch und genießen die erste Tasse Kaffee. Er stammt aus Äthopien und besticht durch ein fruchtig-blumiges Aroma. «Erinnert irgendwie an Tee», findet Alexa. Normalerweise würde ich mir jetzt eine halbe Tüte Milch in den …

Kulinarische Stadtführung durch Linden

Wir begeben uns auf eine kulinarische Reise durch Linden-Mitte und Linden-Süd. Wir entdecken schöne Orte und erfahren spannende Stadtgeschichten. Am Ende dieser besonderen Stadtführung sind wir doch noch satt geworden. In unseren Bäuchen vermischen sich Nuss-Eis mit Kidney-Bohnen, Schafskäse mit Knoblauch und Falafel mit Schokolade. Wir sitzen im Tandure am Ihmeufer. Ein lauer Wind bringt die bunten Tücher über unseren Köpfen zum Tanzen. An einem langen Tisch feiern sie einen Jungesellinnenabschied. «Haben früher nur die Männer gemacht, so auf ihre Weise», sagt Ilse, saugt an ihrer Zigarette und bläst den Qualm in die Luft. Die Frauen sind schwarz gekleidet, nur die Braut trägt weiß. Mit verbundenen Augen entsteigt sie einem bulligen Audi S6. Vitali ist ganz hin und weg von dem Gefährt. So einen will er sich auch holen, irgendwann, sagt er, und sieht verträumt in sein Bierglas. Die Braut nimmt das Tuch von den Augen und kreischt vor Freude. Vor dreieinhalb Stunden haben wir vor dem Theater am Küchengarten (TAK) gewartet. Wir sind 16 Menschen, die heute die kulinarische Seite von Linden erkunden wollen. …

Tretboot-Tour auf dem Maschsee

Mit dem Tretboot gleiten wir gemächlich über den Maschsee. Unter uns die dicken Karpfen – und hinter uns ein paar hungrige Enten, die auf ein paar Brotkrümel hoffen. Leicht schaukelnd stechen wir in See auf dem Maschsee. Die Wellen sind mindestens drei Zentimeter hoch und klatschen gegen den weißen Bug. Der Wind frischt auf und wuschelt durch die Bäume am Ufer. «Die Segelboote haben Vorfahrt – und alle anderen auch», hat uns die Kassiererin erklärt. Und wir sollen nicht hinter die Bojen fahren. Kaum auf flacher See, sind wir von gierigen Enten umgeben. Sie hoffen auf ein paar Brotkrümel und folgen uns. Schnell akzeptieren sie unser Tretboot als ihre neue Mutter – eine Mutter, die ihre Kinder fast überfährt. Es ist nicht einfach, das Boot zu steuern: Eine Servolenkung hat es nicht und die Pedale sind dicke Holzklötze. Die Tretbootfahrt trainiert nicht nur unsere Beine, sondern auch die Arme und den Geist, der wachsam sein muss, wegen der anderen Hobby-Kapitäne, die nicht wissen, welche Bojen sie eigentlich nicht passieren dürfen. «Eins! Zwei! Drei! Vier!», hallt …

Fischers in Linden-Nord: Mexikanische Gemütlichkeit

Die Limmerstraße in Linden besticht durch kulinarische Vielfalt – und das Fischers überzeugt mit leckeren Tortillas und entspannter Atmosphäre. Wegen der gelb-bräunlich-beigen Fassade sieht das Fischers von außen aus wie eine urige Kneipe. Hinterm Tresen stellt man sich unweigerlich einen Manfred Fischer vor, der von früher fabuliert. Manfred raucht und gestikuliert mit gelben Fingern, er lacht hustend über seine eigenen Witze. Mit der Wahrheit hat das aber nichts zu tun: Das Fischers ist keine urdeutsche Kneipe – sondern ein charmanter Mexikaner, der auch von innen wie keiner aussieht. Hier bedienen keine Manfreds mit gelben Händen, sondern junge Menschen mit zarter Haut, die bestimmt in Linden leben und nebenbei ein bisschen studieren. Ein Mädchen trägt auf einem runden Tablett viel Bier herbei und balanciert die schweren Gläser über unseren Köpfen. Dann kracht das alles zusammen, scheppert und klirrt, und das Bier schwappt auf den Holzboden. «Mein erster Tag», erklärt sie und tupft mit Papiertüchern den besoffenen Boden ab. Im Fischers duzen sich alle, was ich toll finde. Am liebsten würde ich das Sie aus meinem Vokabular …

Junge Kunst im Centrum

Im Centrum am Lindener Markplatz gibt es Bier, Cheeseburger – und Kunst an den Wänden. Vier Wochen lang sind dort die Werke junger Künstler aus Hannover zu sehen und zu erwerben. Brrrrrrssccchhhhhhhhh: Auf dem Lindener Markplatz zischt eine Kompaktkehrmaschine entlang, sie macht sauber und viel Lärm. Zwei rotierende Bürsten schleudern den Müll von der einen auf die andere Seite. Gefaltete Packungen, platte Pappbecher und zerknülltes Zeitungspapier bilden zufällige Skulpturen ohne Aussage. «Kann das weg?», fragt der Müllmann. Die Tauben nicken. Wir sind mit Alessja verabredet, die bei den Jungen Sprengelfreunden arbeitet und sich für die junge Künstlerszene in Hannover engagiert. Sie will uns etwas über eine kleine Ausstellung im Centrum erzählen, dort zeigen junge Künstler ihre Werke. Für die gibt es in Hannover nämlich nur wenige Austellungsräume, sagt Alessja. Klar, es gibt die GAF – aber viel mehr eben auch nicht. Dabei ist die Künstlerszene verhältnismäßig groß, für eine Stadt wie Hannover. Und im Sprengel-Museum können die Künstler erst dann ausstellen, wenn sie sich einen Namen gemacht haben. Also hängen die Bilder, Fotos und Collagen …

Tesoro: Schatz in der Südstadt

Pasta, Saltimbocca und Tiramisu – wir genießen das süße Leben und verwöhnen unsere Gaumen im Tesoro an der Marienstraße. Wir sind spontan und gehen ins Tesoro. Mit etwas Glück bekommen wir einen guten Tisch, mitten im Geschehen, allerdings nicht an der großen Fensterfront. Das Restaurant ist elegant eingerichtet, die Bar leuchtet und taucht den ganzen Raum in lilafarbenes Licht. Der Chef kommt herbei. Erläutert die Wochenkarte, schaut dabei zu seinem Kollegen, der an der Bar Bier zapft. Italienische Worte fliegen durch die Luft, abbondanza!, dann der Hinweis an uns, dass es heute Pasta mit Trüffeln gibt. Für das Studium des restlichen Angebots bekommen wir zwei Speisekarten in die Hände gedrückt. Am Tisch an der Wand sitzt ein junger Mann. Er hat ein Date mit seinem Smartphone, streichelt es liebevoll und wiegt es in der Hand, schaut dem Telefon tief ins Display. Da knistert es, da funkt es: WLAN und LTE, fünf Balken. Am 2er-Tisch am Fenster sitzt ein Pärchen und betrinkt sich schweigend mit San Pellegrino. Ordern wir auch gleich. Am 4er-Tisch sitzen zwei Paare, …

Streifzug durch Hannover-City

Volle Fußballfans, glitzernde Glasscherben, punkige Pokémons – und es knallt. Ein Samstagnachmittag in Hannovers Innenstadt. Es ist Samstag und alles ist möglich. Himmel und Sonne schreien uns an, treiben uns nach draußen, wo die Stadt aus einem langen Winterschlaf erwacht. Viele Menschen tummeln sich auf den Straßen. Auf dem Spielplatz um die Ecke toben Kinder mit Doppelnamen, während ihre Eltern verträumt in die Sonne schauen und sich von ihr küssen lassen. Die Wärme auf der blassen Haut spüren. Wir pumpen unsere Räder auf und radeln in die Innenstadt, parken am Mezzo. Bei Penny ist es voll, bei 25 Music ist es voll, auf den Fußwegen ist es voll. Und voll sind auch die Fußballfans, die zum Stadion wollen. Sie tragen Dönertaschen und Biere in den Händen, schieben ihre Bäuche durch die Menschenmenge, spielen nach vorn. Auf dem Boden glitzern Glasscherben. Auf dem Opernplatz entspannen Kinder, die einerseits wie Punks aussehen, andererseits wie Pokémons. Wir gehen durch den Tunnel neben dem Bahnhof, Richtung Innenstadt. Über uns donnern die Züge entlang, neben uns kracht ein schlankes Motorrad …

Sonntags im Landesmuseum

Das Landesmuseum in Hannover ist besonders für Kinder ein großer Spaß – zumindest war es das für mich immer gewesen. Und wie sieht das heute aus? In der Vorhalle stehen zwei ältere Damen mit ihren Ehemännern, die mit verschränkten Armen auf Hilde warten, die noch ihren Mantel verstauen muss. Man überbrückt die Wartezeit redend, das schlechte Wetter dominiert die Konversation. Dann Krankheiten. Derweil toben drei Kinder umher, kreischend und kerngesund. Draußen benetzt leichter Regen die Wimpern. Es ist einer dieser trüben Sonntage, an denen man am besten im Bett bleibt – oder ins Museum geht. Also stehen wir jetzt hier. Stehen an, stehen hinter einer Frau, die hinter einem Mann steht, der hinter einer Frau steht, die mit dem Mann an der Kasse diskutiert. Ich weiß nicht, um was es geht, aber der Herr an der Kasse ist sichtlich bemüht, Contenance zu bewahren. Hinter uns spüren wir Unruhe und Ungeduld: Eine Frau mit Rollköfferchen will endlich ein Ticket kaufen. «Warum dauert das denn so lange?», murmelt sie genervt, zappelt hin und her, meine Güte, gehts …